Vorankündigung: Vierter Verhandlungstag und Urteilsverkündung

Morgen, am 07.03.2019, wird voraussichtlich die Verhandlung gegen einen früheren langjährigen Vereinsvorstand des Freien Bildungswerkes Balduinstein am Amtsgericht Diez fortgesetzt. Der Beginn ist auf 10 Uhr festgelegt. Die Verhandlung ist öffentlich. [Es kann immer dazu kommen, dass Termine verschoben werden. Sollte dies rechtzeitig bekannt werden, wird hier aber darüber informiert]. Aller Voraussicht nach wird an diesem Verhandlungstag ein Abschluss erfolgen, mit einer Urteilsverkündigung ist am selben Tag zu rechnen. Die Besucherzahlen beim Verfahren gingen von Verhandlungstag von Verhandlungstag stetig nach oben, bereits beim dritten waren alle Plätze belegt, dies düfte diesmal wieder der Fall sein.

Für den anstehenden Gerichtstermin ist, soweit derzeit bekannt, bislang nur ein Zeuge geladen. Es handelt sich hierbei um eine weitere Person, die ggf. Auskunft darüber geben werden wird, wann der Angeklagte und die damalige Pfadfindergruppe, welcher der Nebenkläger angehörte, sich auf der Balduinstein kennenlernten. Sollte das Gericht es als erwiesen ansehen, dass dies erst nach dem vierzehnten Geburtstag des Nebenklägers war, erübrigt sich die Frage, ob es tatsächlich zu sexuellen Übergriffen gekommen ist. Denn dann hätte zwar womöglich sexueller Missbrauch eines Schutzbefohlenen vorgelegen, dieser wäre aber bereits verjährt. Die Folge wäre ein Freispruch in Hinblick auf die Anklage des sexuellen Missbrauch eines Kindes.

Sollte das Gericht es hingegen als erwiesen ansehen, dass das erste Kennenlernen etwa ein Jahr vor dem vierzehnten Geburtstag des Nebenklägers erfolgte, wären alle Entlastungszeugen (darunter zwei selbst bereits verurteilte Personen) ihrer Glaubwürdigkeit hinsichtlich ihrer übrigen Aussagen ziemlich beraubt. Der Angeklagte selbst hatte das Kennenlernen mit dem Nebenkläger sogar zwei bis drei Jahre später datiert. Zum Zuge kämen dann eher die Aussage des Nebenklägers selbst sowie seiner Mutter und anderen Angehörigen der damaligen Pfadfindergruppe, die übereinstimmend erklärt hatten, dass das Verhältnis zwischen dem Angeklagten und dem Nebenkläger im Laufe weniger Monate nach dem Kennenlernen sehr vertraut geworden sei.

Sollte der Angeklagte wegen des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in drei Fällen schuldig gesprochen werden, läge die Mindeststrafe, da die mutmaßlichen Vorfälle noch in die Gültigkeit der früheren Gesetzesfassung fielen, bei einem Jahr Freiheitsentzug. Es läge schwerer sexueller Missbrauch vor, da es gemäß der Schilderung des Nebenklägers wiederholt zu Oralverkehr gekommen war. Würde das Gericht beim Strafmaß die Wiederholung der Tat und, wie der Anwalt des Nebenklägers mehrfach drängte, auch das weitere Verhalten des Angeklagten (nämlich u.a. den mutmaßlich fortgesetzten Missbrauch auch nach dem 14. Geburtstag des Nebenklägers sowie einen mutmaßlichen weiteren sexuellen Übergriff auf ein weiteres Gruppenmitglied) im Strafmaß mit berücksichtigen (das Gericht machte aber bislang keine derzeitigen Andeutungen) und deshalb über 2 Jahre Gesamtstrafe kommen, wäre die Verhängung der Strafe auf Bewährung ausgeschlossen.

Der Richter hatte nach der Brüllattacke eines Besuchers im Gerichtsflur in der Pause des dritten Verhandlungstages bereits erklärt, zur Urteilsverkündigung würden Wachleute hinzugezogen werden, um die Ruhe sicherzustellen. Er war aber etwas ungläubig, als der Anwalt des Nebenklägers als Verursacher ausgerechnet auf die augenscheinlich älteste Person im Zuschauerraum verwies. Auch diese ein ehemaliger Vereinsvorstand des Freien Bildungswerkes. Die Nerven liegen offensichtlich blank.

Das Ergebnis des Verfahrens wird etwa anderthalb Stunden nach Verkündigung hier auf scouting.de publiziert.
[Edit: Mindeststrafe auf alten Gesetzesstand angepasst]