Österreich: Studenten und Sozialverbände protestieren, Pfadfinder engagieren sich Vor ihrer Wahl hatten die österreichischen Sozialdemokraten noch die vollständige Abschaffung der ungeliebten (und gerade erst eingeführten) Studiengebühren versprochen. Doch nun einigte man sich auf einen Kompromiss. Danach soll es künftig möglich sein, sich mit 60 Stunden Sozialarbeit oder Nachhilfe zu 6 Euro die Stunde die Gebühren quasi zurückzuverdienen. Der Koalitionspakt wurde mit 75 Prozent der Stimmen angenommen.Eine glatte Schnapsidee finden Studentenvertreter, aber auch Sozialdienste. Mit einen „normalen“ Studentenjob sei durchaus doppelt soviel zu verdienen. Die Sozialverbände, wie die Caritas, weisen darauf hin, dass Sozialarbeit professioneller, mehrjähriger Ausbildung und angemessener Bezahlung bedürfe. Hier werde eine bestimmte Geisteshaltung bewiesen, die sich nicht nur in Österreich breit macht und äußerst fragwürdig ist: Der Dienst mit und am Menschen werde immer geringer geschätzt – und bezahlt. Offensichtlich kann sich ja „irgendwer“ um die Alten, Kranken und sozial Schwächeren kümmern – Hauptsache billig. In Österreich gibt es kein BaföG. Die meisten Studenten mußten auch ohne Studiengebühren bereits nebenbei arbeiten, um sich Lebensunterhalt und Studienmaterialen zu verdienen. Der Vorschlag, jetzt zusätzlich auch noch zu Billiglöhnen arbeiten zu sollen, wird als Versuch des Staates gewertet, sich billige Ersatzzivildiener zu holen. Überfüllte Hörsäle, Knock-Out-Prüfungen, überlastete Professoren, kaum betreute Studenten gehören zum Alltag auch an Österreichs Unis. Dafür auch noch Studiengebühren zu zahlen, halten viele für eine Zumutung. Die Abschlußquote an österreichischen Universitäten ist im europäischen Vergleich eher niedrig. Welche Art von Sozialarbeit genau schwebt den Politikern vor? Bei den österreichischen Pfadfindern, deren 7.000 Kindergruppenleiter größtenteils Studenten sind, gehen zahlreiche dementsprechende Anfragen ein. „Immerhin erbringen wir eine soziale Dienstleistung, indem wir mit Kindern arbeiten und unsere freiwilligen Mitarbeiter sind noch dazu gut ausgebildet“, sagt Benedikt Walzl, Jugendsprecher der Pfadfinder. Trotz Skepsis gegen den Sozialdienst will man sich für die Anerkennung der ehrenamtlichen Gruppenleiter einsetzen....