Dialog und Distanzierung gleichzeitig – geht nicht...

Ein Dialog erfordert ein ergebnisoffenes Aufeinander-zugehen. Davon ist auch der Dialog der Bünde (DdB) nicht ausgenommen. Nach zähem Ringen hatte er sich als Arbeitsgrundlage zum weiteren Dialogprozess die Steimker Grundsätze zugrunde gelegt. Wer sie unterzeichnete, war zum weiteren Dialogprozess willkommen. Doch die Grundsätze haben ein Grundproblem – und das benannte einer der Vertreter des BdP auch ganz unverhohlen: Selbst Bünde, die mit dem Text der Grundsätze kein Problem haben, wollen/wollten sie nicht zeichnen, da dies zur Folge hätte, dass sie dann auf einer gemeinsamen Liste mit Bünden auftauchen würden, von denen sie sich eindeutig distanzieren möchten. Der Umgang mit diesem grundsätzlichen Problem (Dialog und Distanzierung gleichzeitig – geht nicht) und der Umstand der sich-selbst-erfüllenden Prophezeihung (in dem Moment, in dem kritistierte Bünde die Steimker Grundsätze unterzeichnen, beweisen die Grundsätze automatisch ihre Untauglichkeit zur Distanzierung) führten zu unterschiedlichen Reaktionsmustern. Der BdP verabschiedete sich konsequenterweise inhaltlich bereits frühzeitig aus dem Dialogprozess [nicht im Sinne eines Ausscheidens, vielmehr durch unmissverständliche Positionierung]. Die CPD erklärte im November, sie stehe zwar hinter dem eigentlichen Inhalt der Grundsätze, aber wolle nicht offiziell zeichnen (vermutlich, um keine unzutreffende inhaltliche Nähe zu bestimmten Bünden herzustellen – Fakt ist:  Sie stehen (noch) auf dem offiziellen Dokument). Und der VCP hat eine holprige Kehrtwende hingelegt: Erst gezeichnet, dann aber doch festgestellt, dass die Steimker Erklärung (und der Kriterienkatalog) nicht geeignet seien, „um ausreichend Distanz zu extremen Bünden aufzuzeigen“. Es ist aber auch sehr schwer, ausreichend Distanz zu zeigen, wenn man sich offiziell mit bestimmten Leuten überhaupt an einen Tisch setzt. Und da ist man direkt wieder am Startpunkt angekommen: Eine gemeinsame Erklärung – geht nicht. Jedenfalls nicht offiziell. Gemeinsam an einem Dialogprozess teilnehmen – geht eigentlich auch nicht (es sei denn, man sieht sich zu einem eleganten Spagat wie die CPD in der Lage)...

VCP widerruft Zeichnung der Steimker Grundsätze und verlässt den Dialog der Bünde...

Wenn längere Zeit nichts wesentliches in der Szene geschieht, hat man fast Sorge um die Spannung in der Berichterstattung. Dem hat der Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) nun aber mit einem Überraschungs-Coup erfolgreich abgeholfen. Wie der Bundesrat des VCP mitteilt, wird die erfolgte Unterzeichnung der Steimker Grundsätze widerrufen und die Teilnahme am Dialogprozess nicht fortführen. Der Bundesrat bildet innerhalb des VCP die Schnittstelle zwischen der Bundesleitung und den Ländern und trägt die Verantwortung für die inhaltliche Ausrichtung des Verbandes.  Ende Januar war er auf Burg Rieneck zusammengekommen und dabei, wie jetzt allgemein bekannt wurde, folgendes beschlossen: „Leider konnten die Personen aus dem VCP, die bis jetzt am „Dialog der Bünde“ teilgenommen haben, nicht am BR teilnehmen und ihre Sicht schildern. Der BR beschloss nach kurzer Diskussion, dass der VCP nicht an einem kommenden Mediationsprozess im Rahmen des „Dialogs der Bünde“ teilnehmen wird. Auch wurden die Bundesvorsitzenden vom BR beauftragt, dafür zu sorgen, dass der VCP als Verband nicht mehr als Unterzeichner der Steimker Grundsätze erscheint.“ Hoppla, was ist denn da passiert? Erinnern wir uns. Nach Vorwürfen hinsichtlich der „Rechtslastigkeit des Publikumsverkehrs“ auf der Jugendburg Ludwigstein waren die Bünde ab dem 03. November 2013 für ein Jahr von dieser ausgeschlossen worden, um die Zwischenzeit effektiv für eine eigene Verständigung darüber zu nutzen, was eigentlich geeignete Maßstäbe sind, um bestimmte Gruppierungen auf der Burg zuzulassen oder eben nicht. Dieser Prozess wurde vom „Dialog der Bünde“ geführt. Zu diesem waren mit jeweils zwei Vertreter aller Bünde und Verbände eingeladen, welche Arbeitsstunden auf Burg Ludwigstein geleistet hatten, eine Raumpatenschaft innehielten oder Mitgliedsbund in der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein sind. Die beiden Plätze wurden über die jeweiligen Bundesführungen vergeben. Da könnte man ja eigentlich annehmen, dass mit diesem Vorgehen sichergestellt sei, dass diese offiziell entsendeten Vertreter dann auch das...

Konkrete Fortschritte beim Dialog der Bünde...

Die Überrraschung und das Entsetzen waren groß, als die Burg Ludwigstein am 03. November des vergangenen Jahres ein sofortiges, auf zunächst ein Jahr begrenztes,  Nutzungsverbot für Pfadfinder und Wandervögel erließ. Vorausgegangen war eine Eskalation der Diskussion um die Nutzung der Burg durch Gruppen, die verdächtigt wurden, der „neuen Rechten“ anzugehören oder sich durch inakzeptable völkische Gesinnung auszuzeichnen. Seither sind zehn ganze Monate vergangen, in der die zuvor laustarken „öffentlichen“ Diskussionen erstens deutlich reduziert wurden und zweitens man sich oft miteinander an einen großen Tisch gesetzt hat, um die Dinge mit allen Beteiligten zusammen und gemeinsam zu klären. Ziel war es, muss sein, eine tragfähige Grundlage für das weitere Miteinander zu finden oder eben festzuhalten, bestimmte Bünde nicht mehr auf der Burg willkommen zu heißen. Oder das gesamte Projekt Ludwigstein für gescheitert zu erklären. Die Rückmeldungen zu den ersten Treffen des „Dialog der Bünde“, dem Konvent der Gruppen und Bünde also, welche sich zur Lösung des Konfliktes auf und um Burg Ludwigstein zusammengefunden haben (wahrlich kein elitärer Kreis, denn das Netz wurde weit ausgeworfen und jeder Bund, der in den letzten Jahren auf Burg Ludwigstein vertreten war, hatte die Möglichkeit, sich einzubringen), waren verhalten. Doch es wurden hierbei die Grundlagen der bevorstehenden Moderationsarbeit, der gewaltfreien Kommunikation miteinander gelegt. Ein mühsames Stück Arbeit, bei dem konkrete Ergebnisse auf sich warten ließen und kein „schneller Wurf“ präsentiert wurde. Beim dritten Treffen vom 14.-15. Juni war der Referent Prof. Dr. Roland Eckert zugegen, der nach seinem Vortrag eine mehrstündige Diskussion mit den Teilnehmern führte, wobei er sowohl Kritik an dem früheren Vorgehen der Verantwortlichen auf der Burg äußerte, als auch seine Kritik an bestimmten Bünden hinsichtlich ihrer politischen Haltung erneuerte, aber auch an der Art, wie manche Kritiker ihre Kritik geäußert hatten. In einer Nachtschicht erarbeiteten mehrere Beteiligte...