Vorankündigung: Dritter Verhandlungstag und vielleicht Urteilsverkündung...

Morgen, am 21.02.2019, wird voraussichtlich die Verhandlung gegen einen früheren langjährigen Vereinsvorstand des Freien Bildungswerkes Balduinstein am Amtsgericht Diez fortgesetzt. Der Beginn ist auf 10 Uhr festgelegt. Die Verhandlung ist öffentlich. [Es kann immer dazu kommen, dass Termine verschoben werden. Sollte dies rechtzeitig bekannt werden, wird hier aber darüber informiert]. Sollte an diesem Verhandlungstag ein Abschluss erfolgen (das Verfahren war ursprünglich auf drei Verhandlungstage angesetzt), ist mit einer Urteilsverkündigung am selben Tag zu rechnen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich die Notwendigkeit zu einem vierten Verhandlungstag ergibt, dieser wäre dann voraussichtlich am 07.03.2019. Der Vorwurf gegen den 74jährigen Angeklagten lautet auf sexuellen Missbrauch eines 12/13-jährigen Jungen. Der Angeklagte war vor seiner Mitgliedschaft im Autonomen Wandervogel (dieser entstand offiziell erst 2005/2006) lange Zeit Vorstandsmitglied im Freien Bildungswerk Balduinstein. In früheren Verfahren waren schon zwei weitere Mitglieder des (inzwischen eher nicht mehr existierenden) Autonomen Wandervogel, einer davon ebenfalls ein ehemaliger Vereinsvorstand des Bildungswerkes, wegen sexuellen Missbrauchs gegen Schutzbefohlene verurteilt worden. Da die Täter und der jetzt Angeklagte gut miteinander befreundet waren und gemäß bisherigen Zeugenaussagen aus ihrer sexuellen Neigung zu Jüngeren voreinander kein Geheimnis gemacht haben sollen, handelte es sich augenscheinlich um ein Netzwerk sexualisierter Gewalt. (Mutmaßlicher) Tatort war auch die Burg Balduinstein, wo das Freie Bildungswerk Balduinstein seinen Sitz hat. Der Autonome Wandervogel war dort sehr regelmäßig zu Gast, der jetzt Angeklagte hatte dort ein Privatzimmer im Obergeschoss und auch einer der bereits verurteilten Täter. Für den anstehenden Gerichtstermin am 21.02. war ursprünglich nur ein Zeuge geladen, auf welchen der Staatsanwalt aber inzwischen erklärte, verzichten zu können. Stattdessen ergaben sich bei bereits erfolgten Zeugenaussagen Hinweise auf weitere Zeugen beziehungsweise aktuelle Adressen von Zeugen, die bereits erfolglos zu laden versucht worden war. Es ist durch deren Aussagen weiterhin zu klären, ob zu beweisen sein wird,...

Bericht und Kommentar zum zweiten Verhandlungstag...

Bei dem heutigen Termin am Amtsgericht Diez gegen den früheren Präsidenten des Balduinsteiner Wandervogels und langjährigen früheren Vereinsvorsitzenden des Freien Bildungswerkes Balduinstein wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs eines Kindes wurden acht Zeugen angehört. Es begann mit der Aussage des bereits verurteilten Mitbegründers des Autonomen Wandervogel. Dieser stützte die zeitliche Einordnung des ersten Besuches der saarländischen Pfadfindergruppe auf Burg Balduinstein, wie sie vom Angeklagten beim ersten Gerichtstermin getroffen worden war. Sein eigener erster Besuch (der des Zeugen) lag allerdings schon lange davor. Schon mit seiner früheren Pfadfindergruppe aus Homburg war er in den neunziger Jahren im Rahmen von Treffen des Untermerzbacher Kreises auf die Balduinstein gefahren. Er gab an, die Person, welche den Angeklagten beschuldigt (Nebenkläger), überhaupt erst nach dessen 14. Geburtstag bei den Pfadfindern kennengelernt zu haben. Dessen erster Besuch auf der Balduinstein und das Kennenlernen des Angeklagten müsste dann zeitlich danach erfolgt sein. Der Angeklagte sei zwar gemäß Gründungsurkunde der Balduinsteiner Wandervögel (die sich wenig später in Autonomer Wandervogel umbennen mussten) deren Präsident gewesen, allerdings allenfalls zwei Tage, dann sei er vom Freien Bildungswerk Balduinstein (in welchem er aber selbst der Vorsitzende war) dazu gedrängt worden, keine Führungsverantwortung in diesem Wandervogelbund zu bekleiden. Obgleich dieser Zeuge angab, mit bei der inzwischen recht bekannten Griechenlandfahrt dabeigewesen zu sein, erklärte er, hinsichtlich des Beklagten nichts Auffälliges mitbekommen zu haben. Anders verhielt sich dies hingegen hinsichtlich einer anderen Person, der das Haus in Griechenland bzw. ein Teil davon gehöre. Dieser habe auch die Idee gehabt, die Jungen als griechische Statuen zu verkleiden. Beim zweiten Zeugen handelte es sich um eine ebenfalls bereits verurteilte Person, einen ehemaligen Vereinsvorstand des Bildungswerkes Balduinstein. Auch dieser stützte die zeitliche Einordnung des Kennenlernens mit dem Nebenkläger, wie sie vom Angeklagten getroffen worden war. Der Nebenkläger sei aber ein sehr unauffälliger...

Vorankündigung: Zweiter Verhandlungstag...

Morgen, am 14.02.2019, wird voraussichtlich die Verhandlung gegen den ehemaligen Präsidenten des Autonomen Wandervogel am Amtsgericht Diez fortgesetzt. Der Beginn ist auf 10 Uhr festgelegt. Die Verhandlung ist öffentlich. [Es kann immer dazu kommen, dass Termine verschoben werden. Sollte dies rechtszeitig bekannt werden, wird hier aber darüber informiert]. Der Vorwurf gegen den 74jährigen Angeklagten lautet auf sexuellen Missbrauch eines 12/13-jährigen Jungen im Zeitraum 2001/2002. Der Angeklagte war vor seiner Mitgliedschaft im Autonomen Wandervogel (dieser entstand offiziell erst 2005/2006) lange Zeit Vorstandsmitglied im Freien Bildungswerk Balduinstein. In früheren Verfahren waren schon zwei weitere Mitglieder des (inzwischen eher nicht mehr existierenden) Autonomen Wandervogel wegen sexuellen Missbrauchs gegen Schutzbefohlene verurteilt worden. Da die Täter und der jetzt Angeklagte gut miteinander befreundet waren und gemäß bisherigen Zeugenaussagen aus ihrer sexuellen Neigung zu Jüngeren voreinander kein Geheimnis gemacht haben sollen, handelte es sich augenscheinlich um ein Netzwerk sexualisierter Gewalt. (Mutmaßlicher) Tatort war auch die Burg Balduinstein, wo das Freie Bildungswerk Balduinstein seinen Sitz hat. Der Autonome Wandervogel war dort sehr regelmäßig zu Gast, der jetzt Angeklagte hatte dort ein Privatzimmer im Obergeschoss und auch einer der bereits verurteilten Täter. Bei dem Gerichtstermin am 14.02. sind neun Personen als Zeugen geladen, die Aussagen werden sich voraussichtlich bis 16 Uhr hinziehen. Der Zeitplan ist ambitioniert, denn am ersten Verhandlungstag vor zwei Wochen waren für einen identischen Zeitraum nur vier Zeugen geladen. Der zweite Verhandlungstag soll mit der Aussage des 2014 rechtskräftig verurteilen Ordensführers und maßgeblichen Mitbegründers des Autonomen Wandervogel beginnen. Darauf folgt die Aussage einer ebenfalls 2014 verurteilten Person, welche ebenfalls Mitbegründer des Autonomen Wandervogel war, davor und früher allerdings auch, wie der jetzt Angeklagte, ein Vorstandsmitglied des Freien Bildungswerk Balduinstein. Es folgen Aussagen von weiteren früheren Mitgliedern des Autonomen Wandervogel und weiterer Personen. Da die Anklage auf sexuellen Missbrauch eines...

Unterstützung Betroffener sexualisierter Gewalt...

Schon vergangenen September sind die „Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände e.V.“ dem ergänzenden Hilfesystem im institutionellen Bereich beigetreten. Betroffene sexualisierter Gewalt im Bereich des Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände e.V. können noch bis zum 31.12.2019 einen Antrag auf Ergänzende Hilfeleistungen stellen. Die Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände vertreten große Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände: Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP), Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (PSG), Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und den Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Grundlage der Ergänzenden Hilfeleistungen ist eine Vereinbarung mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Beteiligung am Ergänzenden Hilfesystem für Betroffene sexuellen Missbrauchs im institutionellen Bereich (EHS). Das Ergänzende Hilfesystem (EHS) wurde auf Basis der Empfehlungen des Runden Tisches Sexueller Kindesmiss-brauch (RT KM) entwickelt. Es soll die Aufgabe haben, noch andauernde Belastungen als Folgewirkung des Missbrauchs auszugleichen bzw. zu mildern. Das Hilfesystem soll das bestehende Netz sozialrechtlicher Versorgungssysteme nicht ersetzen, sondern...

Leserbrief zum Missbrauchsfall Wannweil: Keine „echten“ Pfadfinder...

Heute vor 4 Jahren: Im Gerichtsverfahren gegen den 24-jährigen ehemaligen Leiter einer Gruppe der Royal Rangers in Reutlingen-Wannweil kommen immer mehr Details ans Licht, bei denen es einen nur schütteln kann. Jetzt kam der psychiatrische Gutachter zu Wort. Der attestiert dem Täter eine grundsätzlich prosoziale Grundhaltung. In der Szene sorgte derweil ein Leserbrief für großen Unmut. Anerkannt und somit echte Pfadfinder seien sowieso nur die DPSG, der VCP und der BdP.Der Gutachter stellte über den Angeklagten fest, dass dieser die Leitung der Pfadfindergruppe nicht gezielt angestrebt habe, er sei halt Pfadfinder gewesen und dann „habe sich das so ergeben“. Obwohl die Übergriffe über zwei Jahre hinweg erfolgten, hatten sich die 12- bis 14jährigen Jungen seiner Gruppe nicht ihren Eltern anvertraut. Vielmehr war ein Vater selbst über einen verdächtigen Chat des Gruppenleiters mit seinem Sohn aufmerksam auf das Treiben geworden. Im Rahmen der Gruppenstunden und sonstigen Aktivitäten war es regelmäßig zu gegenseitigen sexuellen Handlungen gekommen. Nach Ansicht des Gutachters handelte es sich dabei allerdings, ohne den Anteil des Angeklagten herabspielen zu wollen, um ein „gruppendynamisches Geschehen“, bei dem, wie die Staatsanwältin es nannte, auch die eigene „pubertätsbedingte Neugier“ der beteiligten Heranwachsenden eine Rolle gespielt habe. Der Gruppenleiter hatte sich gegenüber seinen Anvertrauten mit erfunden Geschichten von seinen angeblichen Kontakten zur Rockerszene in Heldenmanier dargestellt. Im wirklichen Leben hingegen haderte er mit seiner eigenen Orientierungslosigkeit, der rigriden Lebenswelt seines religiösen Umfeldes und seiner offensichtlichen sexuellen Neigung zu Halbwüchsigen. Noch während die Übergriffe erfolgten, hatte er sich mit unklaren Hilfeersuchen hinsichtlich der sexuellen Aktivitäten an Verantwortliche der Gemeinde gewendet, an der er als Gruppenleiter der Pfadfindergruppe tätig war. Diese hatten seine Klagen über das zu offensichtlich sexuelle Interesse seiner Gruppenmitglieder jedoch nicht weiter verfolgt. Dabei soll es gemäß Medienberichten bereits in einer Gruppe an einer anderen Gemeinde...