Klagen gegen Boy Scouts of America...

Neu sind die Missbrauchsvorwürfe gegen die „Boy Scouts of America“ (BSA) nicht. In einer bereits erfolgten internen Untersuchung der zum Teil länger zurückliegenden Ereignisse wurden bereits 7.819 Täter und 12.254 Opfer identifiziert. Trotzdem spricht der amerikanische Anwaltsverbund „Abused in Scouting“ von fehlendem Aufklärungswillen der weltweit mitgliederstärksten Pfadfinderorganisation. Denn von den (nach Eigenangaben) 1200 Geschädigten, die er vertritt, befinden sich bislang nur wenige in dieser Liste. „Man kann BSA nicht vertrauen, dass sie die faulen Äpfel aussortiert, weil sie genau das nicht getan hat“, sagte Anwalt Tim Kosnoff gemäß einem Interview. Beim kritischen Lesen der internen Unterlagen der Organisation, die teilweise bis zur Gründung zurückreichen, müsse man feststellen, dass oft die Beteiligten gebeten worden seien, Stillschweigen zu Bewahren und nicht staatliche Behörden zu informieren. Dadurch sei es möglich gewesen, dass die Täter, selbst wenn sie aus der Organisation ausgeschlossen worden seien, unbestraft und mit sauberer Weste ihr Leben fortsetzen konnten und weitere Kinder missbrauchten. Auf einer Liste hat der Anwaltsverbund, der mit breit angelegten Fernsehwerbungen Betroffene dazu auffordert, nicht länger in Schweigen und Scham zu verharren, zahlreiche bereits identifizierte und bestätigte Missbrauchstäter aufgelistet. Einer der Betroffenen sprach davon, dass die bestehende Organisation niederbrennen müsse, damit vielleicht aus der Asche etwas Neues und Besseres entstehen könne. Die BSA erhöhte wohl in Erwartung der zahlreichen Klagen seine Jahresbeiträge um...

Bericht Missbrauchsseminar

15 Teilnehmer waren der Einladung zum Seminar „Wie weiter nach Missbrauch“ vom 08.-10. November auf Burg Ludwigstein gefolgt. Es war wohl das erste Seminar der bündischen Jugend, welches unmittelbar die Möglichkeit eröffnete, mit Betroffenen aus ihren Reihen ins Gespräch über deren Wünsche und Forderungen in Hinblick auf Aufarbeitung zu kommen. Es war aber auch – und dies war vielleicht noch wichtiger – für die meisten der Betroffenen die erste Möglichkeit, in größerem Kreis mit jenen zu sprechen, die sich in den Bünden für Aufarbeitung einsetzen. In vertrauensvoller Atmosphäre fanden sie den Mut, in der Gruppe von den eigenen, schwierigen Erfahrungen zu berichten. Die Bereitschaft der Gruppe, ihre Worte auch anzunehmen, ließ Stärke erwachsen. Zweifelsohne war die emotionale Dichte auch eine Herausforderung. Andreas Huckele, (Autor, Dozent und Supervisor) gab einen Einstieg zu der Frage, wie die Forderung nach Aufklärung und Aufarbeitung von Betroffenen selbst erfolgreich geschehen kann, zumal wenn der Versuch klärender Gespräche nicht unmittelbar zu spürbarer Resonanz und Veränderung führt. Seine These: Einmal das Gespräch suchen, wenn einem danach ist, muss reichen. Erfolgt keine angemessene Reaktion, sucht man sich Verstärkung und wendet sich an Außenstehende, wie die Justiz oder die Presse. Tatsächlich erleben Betroffene in der Regel, dass sie immer und immer wieder innerhalb des Missbrauchskontextes, der übergeordneten Organisation, einen Gesprächsversuch nach dem anderen unternehmen, ohne dass sich irgendetwas ändert oder eine echte Reaktion erfolgt. Den anwesenden aktiven Mitgliedern aus Organisationen der bündischen Jugend stellte sich somit unmittelbar die Frage, ob ein Selbstreinigungsprozess von betroffenen Organisationen überhaupt möglich ist. Denn jede/r weiß um die Hemmungen und Widerstände, aber auch ganz praktischen Schwierigkeiten des Unterfangens Aufklärung und Aufarbeitung. Angefangen von begrenztem Wissen, unvollständigen Archiven bis hin zu aus Eigenmitteln gar nicht finanzierbarer eventueller externer Aufarbeitung. Die Forderung, dass ein krankes System dann halt eben zugrunde...

Vorankündigung: Zweiter Verhandlungstag...

Morgen, am 14.02.2019, wird voraussichtlich die Verhandlung gegen den ehemaligen Präsidenten des Autonomen Wandervogel am Amtsgericht Diez fortgesetzt. Der Beginn ist auf 10 Uhr festgelegt. Die Verhandlung ist öffentlich. [Es kann immer dazu kommen, dass Termine verschoben werden. Sollte dies rechtszeitig bekannt werden, wird hier aber darüber informiert]. Der Vorwurf gegen den 74jährigen Angeklagten lautet auf sexuellen Missbrauch eines 12/13-jährigen Jungen im Zeitraum 2001/2002. Der Angeklagte war vor seiner Mitgliedschaft im Autonomen Wandervogel (dieser entstand offiziell erst 2005/2006) lange Zeit Vorstandsmitglied im Freien Bildungswerk Balduinstein. In früheren Verfahren waren schon zwei weitere Mitglieder des (inzwischen eher nicht mehr existierenden) Autonomen Wandervogel wegen sexuellen Missbrauchs gegen Schutzbefohlene verurteilt worden. Da die Täter und der jetzt Angeklagte gut miteinander befreundet waren und gemäß bisherigen Zeugenaussagen aus ihrer sexuellen Neigung zu Jüngeren voreinander kein Geheimnis gemacht haben sollen, handelte es sich augenscheinlich um ein Netzwerk sexualisierter Gewalt. (Mutmaßlicher) Tatort war auch die Burg Balduinstein, wo das Freie Bildungswerk Balduinstein seinen Sitz hat. Der Autonome Wandervogel war dort sehr regelmäßig zu Gast, der jetzt Angeklagte hatte dort ein Privatzimmer im Obergeschoss und auch einer der bereits verurteilten Täter. Bei dem Gerichtstermin am 14.02. sind neun Personen als Zeugen geladen, die Aussagen werden sich voraussichtlich bis 16 Uhr hinziehen. Der Zeitplan ist ambitioniert, denn am ersten Verhandlungstag vor zwei Wochen waren für einen identischen Zeitraum nur vier Zeugen geladen. Der zweite Verhandlungstag soll mit der Aussage des 2014 rechtskräftig verurteilen Ordensführers und maßgeblichen Mitbegründers des Autonomen Wandervogel beginnen. Darauf folgt die Aussage einer ebenfalls 2014 verurteilten Person, welche ebenfalls Mitbegründer des Autonomen Wandervogel war, davor und früher allerdings auch, wie der jetzt Angeklagte, ein Vorstandsmitglied des Freien Bildungswerk Balduinstein. Es folgen Aussagen von weiteren früheren Mitgliedern des Autonomen Wandervogel und weiterer Personen. Da die Anklage auf sexuellen Missbrauch eines...

Unterstützung Betroffener sexualisierter Gewalt...

Schon vergangenen September sind die „Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände e.V.“ dem ergänzenden Hilfesystem im institutionellen Bereich beigetreten. Betroffene sexualisierter Gewalt im Bereich des Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände e.V. können noch bis zum 31.12.2019 einen Antrag auf Ergänzende Hilfeleistungen stellen. Die Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände vertreten große Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände: Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP), Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (PSG), Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und den Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Grundlage der Ergänzenden Hilfeleistungen ist eine Vereinbarung mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Beteiligung am Ergänzenden Hilfesystem für Betroffene sexuellen Missbrauchs im institutionellen Bereich (EHS). Das Ergänzende Hilfesystem (EHS) wurde auf Basis der Empfehlungen des Runden Tisches Sexueller Kindesmiss-brauch (RT KM) entwickelt. Es soll die Aufgabe haben, noch andauernde Belastungen als Folgewirkung des Missbrauchs auszugleichen bzw. zu mildern. Das Hilfesystem soll das bestehende Netz sozialrechtlicher Versorgungssysteme nicht ersetzen, sondern...

Studie zur Prävention sexualisierter Gewalt...

Eine Anfrage von Till: „Ich suche Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten die an einer Online-Studie zur Prävention sexualisierter Gewalt teilnehmen würden (dauert auch nur 20 Minuten). Hier im Forum finden sich vor allem Jugendbewegte – genial, ihr passt in meine Zielgruppe – ganz wichtig ist aber, dass der Aufruf auch in andere Verbände und Organisationen (Sportvereine, Jugendverbände, usw ….) gelangt und auch Menschen erreicht, die hauptberuflich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind (von Kindergarten bis Jugend-WGs – alles super). Unten findet ihr einige Details zur Studie. Mit wäre sehr geholfen, wenn ihr selbst teilnehmt und diesen Aufruf in euren beruflichen, ehrenamtlichen oder Freundes-Kreisen (ver)teilt! Dankesehr und Gut Pfad Till Der Aufruf zur Studie: Studie zur Prävention sexualisierter Gewalt in der Kinder- und Jugendarbeit https://ww3.unipark.de/uc/studie_praeventionsprogramme/ Liebe Interessierte, hiermit lade ich Sie und Euch zu einer Online-Studie ein, in der es um die „Prävention sexualisierter Gewalt“ geht. Die Studie richtet sich an Menschen, die ehrenamtlich oder beruflich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Die Erhebung ist Teil meiner Masterarbeit am Psychologischen Institut der Universität Würzburg. Es geht darum, wie Konzepte zur Verhinderung von Kindesmissbrauch gestaltet werden sollten, damit sie gut umgesetzt werden können. Die Studie dauert circa 20 Minuten. Link zur Studie: https://ww3.unipark.de/uc/studie_praeventionsprogramme/ Wenn Sie den Link anklicken, bestätigten Sie, dass Sie mindestens 18 Jahre alt sind und erklären sich damit einverstanden, dass Ihre Daten anonymisiert ausgewertet werden. Vielen Dank für die Unterstützung und viel Freude bei der Studie! Till Schöllhammer (till.schoellhammer@stud-mail.uni-wuerzburg.de) P.S.: Gerne kann der Aufruf weiterverteilt werden!“ Kostenfrei den SPURBUCH Newsletter bestellen. Spurbuchverlag: Die größte Auswahl an Büchern über die Pfadfinder- und...