Buchvorstellung: Tagebuch eines Jerusalempilgers...

Es ist witzig. Es ist spannend. Und – es ist inspirierend. Die Rede ist vom „Tagebuch eines Jerusalempilgers“ von Johannes M. Schwarz, der sich am ersten Mai 2013 von Liechtenstein nach Jerusalem begab. Zu Fuß. Nun sind Pilgerbücher seit „Ich bin dann mal weg“ ja fast schon eine eigene Gattung. Dennoch scheint mir, dass sich im Tagebuch eines Jerusalempilgers deutlich mehr Schnittmenge mit dem Erleben auf Fahrt ergibt. Sei es der teilweise wochenlang anhaltende Regen mit entsprechenden Schlammpisten, der Versuch, die völlig verschmutzte Kleidung anschließend dezent auf dem belebten Marktplatz eines Heilbades zu reinigen, die Verständigung in aller Herren Länder mit wenigen antrainierten Wortbrocken sowie mit Händen und Füßen, die Verzweiflung und Selbstzweifel im Sinne von „Warum tue ich mir das an?“ oder aber der Versuch, im Iran (Iran!) Rotwein zu kaufen, da der Messwein zur Neige gegangen ist. Messwein – ja, Johannes M. Schwarz ist Pater. Da könnten nun sämtliche Schubladen aufgehen, es gibt aber keinen Grund dafür. Und dies, obwohl selbstverständlich sein Glaube eine wichtige Rolle im Buch einnimmt und Fragen, die ihm auf dem Weg gestellt wurden, in kurzen Predigten gleichfalls verarbeitet sind. Sowohl die Fragen, als auch die Antworten sind von dieser Welt. Wenn die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet wird mit einem Gleichnis, in dem der Student Erhard, der in einer Männer-WG lebt und entsprechend noch nie einen Staubsauger gesehen hat, zunächst enttäuscht feststellt, dass dieser keine Tiefkühlpizza erhitzen kann, dann aber merkt, dass es sich um eine Tiefkühlpizzabröselschlucker handelt, wird schon klar, dass landläufige Vorstellungen von katholischen Geistlichen mit dem sehr auf dem Boden der Tatsachen stehenden Pater Johannes M. Schwarz reichlich wenig zu tun haben. So werden die Predigten selbst für Andersgäubige zu einem Gewinn und für Ungläubige kein Grund, das Buch nicht zu lesen....