Urteil: Schuldig

Mit dem heutigen vierten Verhandlungstag endete das Verfahren gegen ein früheres Vorstandsmitglied des Freien Bildungswerkes Balduinstein und früheren kurzzeitigen Präsidenten des Balduinsteiner Wandervogels (Vorläufer des Autonomen Wandervogels) mit einem Schuldspruch. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der 74-jährige Angeklagte zweimal des sexuellen Missbrauchs eines Kindes schuldig gemacht hatte. Es verurteilte ihn zu zwei Jahren ohne Bewährung. In seiner Begründung legte das Gericht dar, dass es sich zweifelsohne um eine Tatserie gehandelt habe, die sich auch nach dem juristisch noch relevanten Zeitraum fortsetzte. Auch weil der Angeklagte während des Verfahrens keine Reue oder Bedauern anzeigte, sah es von der Aussetzung der Strafe auf Bewährung trotz u.a. günstiger Sozialprognose, hohem Alter des Täters und fehlenden Vorstrafen ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Mehrere Prozessbeteiligte gehen davon aus, dass gegen das Urteil wohl binnen einer Woche Rechtsmittel eingelegt...

Vorankündigung: Vierter Verhandlungstag und Urteilsverkündung...

Morgen, am 07.03.2019, wird voraussichtlich die Verhandlung gegen einen früheren langjährigen Vereinsvorstand des Freien Bildungswerkes Balduinstein am Amtsgericht Diez fortgesetzt. Der Beginn ist auf 10 Uhr festgelegt. Die Verhandlung ist öffentlich. [Es kann immer dazu kommen, dass Termine verschoben werden. Sollte dies rechtzeitig bekannt werden, wird hier aber darüber informiert]. Aller Voraussicht nach wird an diesem Verhandlungstag ein Abschluss erfolgen, mit einer Urteilsverkündigung ist am selben Tag zu rechnen. Die Besucherzahlen beim Verfahren gingen von Verhandlungstag von Verhandlungstag stetig nach oben, bereits beim dritten waren alle Plätze belegt, dies düfte diesmal wieder der Fall sein. Für den anstehenden Gerichtstermin ist, soweit derzeit bekannt, bislang nur ein Zeuge geladen. Es handelt sich hierbei um eine weitere Person, die ggf. Auskunft darüber geben werden wird, wann der Angeklagte und die damalige Pfadfindergruppe, welcher der Nebenkläger angehörte, sich auf der Balduinstein kennenlernten. Sollte das Gericht es als erwiesen ansehen, dass dies erst nach dem vierzehnten Geburtstag des Nebenklägers war, erübrigt sich die Frage, ob es tatsächlich zu sexuellen Übergriffen gekommen ist. Denn dann hätte zwar womöglich sexueller Missbrauch eines Schutzbefohlenen vorgelegen, dieser wäre aber bereits verjährt. Die Folge wäre ein Freispruch in Hinblick auf die Anklage des sexuellen Missbrauch eines Kindes. Sollte das Gericht es hingegen als erwiesen ansehen, dass das erste Kennenlernen etwa ein Jahr vor dem vierzehnten Geburtstag des Nebenklägers erfolgte, wären alle Entlastungszeugen (darunter zwei selbst bereits verurteilte Personen) ihrer Glaubwürdigkeit hinsichtlich ihrer übrigen Aussagen ziemlich beraubt. Der Angeklagte selbst hatte das Kennenlernen mit dem Nebenkläger sogar zwei bis drei Jahre später datiert. Zum Zuge kämen dann eher die Aussage des Nebenklägers selbst sowie seiner Mutter und anderen Angehörigen der damaligen Pfadfindergruppe, die übereinstimmend erklärt hatten, dass das Verhältnis zwischen dem Angeklagten und dem Nebenkläger im Laufe weniger Monate nach dem Kennenlernen sehr vertraut...

Dritter Verhandlungstag (und kein Urteil)...

Am heutigen dritten Verhandlungstag des Missbrauchsverfahrens gegen ein früheres Vorstandsmitglied des Freien Bildungswerkes Balduinstein sowie Mitglied des Autonomen Wandervogel wurden fünf Zeugen gehört, einer davon zweimal. Ein früheres Mitglied der Pfadfindergruppe, zu der auch der Nebenkläger (Betroffene) gehörte, schilderte, dass er persönlich erst zu der Silvesterfeier, welche der Angeklagte als ersten Zeitpunkt des Kennenlernens mit der Gruppe benannt hatte, anwesend gewesen sei. Seine Gruppe sei aber bereits in Silvester des Vorjahres zu Gast gewesen. Zu einem Zeitpunkt also, zu dem der Nebenkläger und Betroffene noch nicht 14 Jahre alt war. Auch der zweite Zeuge des Tages war dieser Pfadfindergruppe zugehörig gewesen und bestätigte, dass ihr später selbst verurteilte Stammesführer schon vor der fraglichen Silvesterfeier in Führungsverantwortung stand. Der Richter ließ in einem Nebensatz erkennen, dass er einige Aussagen des Stammesführers über Zeitpunkte, welche dieser als Zeuge beim zweiten Verhandlungstag geäußert hatte, für widerlegt hält. Ein weiterer Zeuge aus dem späteren Autonomen Wandervogel erklärte, niemals Lieblingspimpf oder angehender Lieblingspimpf des Angeklagten gewesen zu sein und auch nie eine Lederhose von diesem erhalten zu haben, wie eine Zeugin des zweiten Verhandlungstages vermutet hatte. Weiterer Zeuge war langjähriger „erster Mann“ auf der Burg bis 2005. Er brachte Ausdrucke von Belegungsbüchern der Burg mit, aus denen hervorging, dass zu dem Zeitpunkt, den der Angeklagte angegeben hatte, der saarländische Pfadfinderstamm gemäß Unterlagen tatsächlich vor Ort war. Dass dies jedoch schon auf das Vorjahr zutraf, war diesen Ausdrucken nicht zu entnehmen. Der Zeuge hatte die Ausdrucke auch erst vor drei Wochen auf Geheiß der ersten Vorsitzenden des Bildungswerkes Balduinstein vorgenommen, nachdem diese ihm gesagt hatte, es könne gut sein, dass er in den Zeugenstand gerufen werden würde. Der Antrag des Anwaltes des Nebenklägers, durch ein Gutachten klären zu lassen, ob die Originaldatei eventuell nachträglich manupuliert worden sei, wurde auch vom...

Vorankündigung: Dritter Verhandlungstag und vielleicht Urteilsverkündung...

Morgen, am 21.02.2019, wird voraussichtlich die Verhandlung gegen einen früheren langjährigen Vereinsvorstand des Freien Bildungswerkes Balduinstein am Amtsgericht Diez fortgesetzt. Der Beginn ist auf 10 Uhr festgelegt. Die Verhandlung ist öffentlich. [Es kann immer dazu kommen, dass Termine verschoben werden. Sollte dies rechtzeitig bekannt werden, wird hier aber darüber informiert]. Sollte an diesem Verhandlungstag ein Abschluss erfolgen (das Verfahren war ursprünglich auf drei Verhandlungstage angesetzt), ist mit einer Urteilsverkündigung am selben Tag zu rechnen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich die Notwendigkeit zu einem vierten Verhandlungstag ergibt, dieser wäre dann voraussichtlich am 07.03.2019. Der Vorwurf gegen den 74jährigen Angeklagten lautet auf sexuellen Missbrauch eines 12/13-jährigen Jungen. Der Angeklagte war vor seiner Mitgliedschaft im Autonomen Wandervogel (dieser entstand offiziell erst 2005/2006) lange Zeit Vorstandsmitglied im Freien Bildungswerk Balduinstein. In früheren Verfahren waren schon zwei weitere Mitglieder des (inzwischen eher nicht mehr existierenden) Autonomen Wandervogel, einer davon ebenfalls ein ehemaliger Vereinsvorstand des Bildungswerkes, wegen sexuellen Missbrauchs gegen Schutzbefohlene verurteilt worden. Da die Täter und der jetzt Angeklagte gut miteinander befreundet waren und gemäß bisherigen Zeugenaussagen aus ihrer sexuellen Neigung zu Jüngeren voreinander kein Geheimnis gemacht haben sollen, handelte es sich augenscheinlich um ein Netzwerk sexualisierter Gewalt. (Mutmaßlicher) Tatort war auch die Burg Balduinstein, wo das Freie Bildungswerk Balduinstein seinen Sitz hat. Der Autonome Wandervogel war dort sehr regelmäßig zu Gast, der jetzt Angeklagte hatte dort ein Privatzimmer im Obergeschoss und auch einer der bereits verurteilten Täter. Für den anstehenden Gerichtstermin am 21.02. war ursprünglich nur ein Zeuge geladen, auf welchen der Staatsanwalt aber inzwischen erklärte, verzichten zu können. Stattdessen ergaben sich bei bereits erfolgten Zeugenaussagen Hinweise auf weitere Zeugen beziehungsweise aktuelle Adressen von Zeugen, die bereits erfolglos zu laden versucht worden war. Es ist durch deren Aussagen weiterhin zu klären, ob zu beweisen sein wird,...

Bericht und Kommentar zum zweiten Verhandlungstag...

Bei dem heutigen Termin am Amtsgericht Diez gegen den früheren Präsidenten des Balduinsteiner Wandervogels und langjährigen früheren Vereinsvorsitzenden des Freien Bildungswerkes Balduinstein wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs eines Kindes wurden acht Zeugen angehört. Es begann mit der Aussage des bereits verurteilten Mitbegründers des Autonomen Wandervogel. Dieser stützte die zeitliche Einordnung des ersten Besuches der saarländischen Pfadfindergruppe auf Burg Balduinstein, wie sie vom Angeklagten beim ersten Gerichtstermin getroffen worden war. Sein eigener erster Besuch (der des Zeugen) lag allerdings schon lange davor. Schon mit seiner früheren Pfadfindergruppe aus Homburg war er in den neunziger Jahren im Rahmen von Treffen des Untermerzbacher Kreises auf die Balduinstein gefahren. Er gab an, die Person, welche den Angeklagten beschuldigt (Nebenkläger), überhaupt erst nach dessen 14. Geburtstag bei den Pfadfindern kennengelernt zu haben. Dessen erster Besuch auf der Balduinstein und das Kennenlernen des Angeklagten müsste dann zeitlich danach erfolgt sein. Der Angeklagte sei zwar gemäß Gründungsurkunde der Balduinsteiner Wandervögel (die sich wenig später in Autonomer Wandervogel umbennen mussten) deren Präsident gewesen, allerdings allenfalls zwei Tage, dann sei er vom Freien Bildungswerk Balduinstein (in welchem er aber selbst der Vorsitzende war) dazu gedrängt worden, keine Führungsverantwortung in diesem Wandervogelbund zu bekleiden. Obgleich dieser Zeuge angab, mit bei der inzwischen recht bekannten Griechenlandfahrt dabeigewesen zu sein, erklärte er, hinsichtlich des Beklagten nichts Auffälliges mitbekommen zu haben. Anders verhielt sich dies hingegen hinsichtlich einer anderen Person, der das Haus in Griechenland bzw. ein Teil davon gehöre. Dieser habe auch die Idee gehabt, die Jungen als griechische Statuen zu verkleiden. Beim zweiten Zeugen handelte es sich um eine ebenfalls bereits verurteilte Person, einen ehemaligen Vereinsvorstand des Bildungswerkes Balduinstein. Auch dieser stützte die zeitliche Einordnung des Kennenlernens mit dem Nebenkläger, wie sie vom Angeklagten getroffen worden war. Der Nebenkläger sei aber ein sehr unauffälliger...