Balduinstein als friedlicher Ort

Unser Bericht über den Offenen Brief des in-Teilen neuen Vorstandes des Freien Bildungswerkes Balduinstein ist auf reges Interesse gestoßen und hat vielfach öffentliche wie auch nicht-öffentliche Leserzuschriften ausgelöst. Darunter der Hinweis auf einen Fernsehbericht über das 750. Ortsjubiläum des Ortes Balduinstein. Als „Burgführerin von Burg Balduinstein“ tritt auch die neue Vorstandsvorsitzende des Bildungswerkes im Fernsehbericht auf. Fernsehbericht wie auch Offener Brief weisen darauf hin, dass Balduinstein ein „friedlicher Ort“ sei. Ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, deren Gesprächsangebot vom „neuen“ Vorstand wohl abgewiesen wurde; der Forderung nach öffentlicher Aufarbeitung der Fälle sexualisierter Gewalt seit Gründung des Bildungswerkes wurde bislang nicht nachgekommen. Die Kommentare unter dem idyllischen Fernsehbericht sprechen wohl für...

Balduinstein? Kann weg. Muss weg....

Heute vor 5 Jahren: Der Pfadfinder-Treffpunkt hat ein deutliches Zeichen gegen die absolut unzulängliche Aufarbeitung und Distanzierung der Jugendburg Balduinstein hinsichtlich der mit ihr eng verknüpften Missbrauchsfälle gesetzt. Die Jugendburg Balduinstein wurde aus dem PT-Verzeichnis aller bündischen Begegnungsstätten gelöscht, gleiches wurde dem Autonomen Wandervogel zuteil. Letzerer besteht noch in Form einiger Personen, die weiter treu zu dem verurteilen Sexualstraftäter aus ihren Reihen stehen. Dem Trägerverein der Balduinstein wird vorgeworfen, seine Erklärungen zu den  Missbrauchsfällen seien reine Lippenbekenntnisse, solange Personen, die in den abgeschlossenen beiden Verfahren bereits als Täter „geoutet“ wurden, weiterhin in prägnanter Position auf der Burg tätig seien. Spurbuchverlag: Die größte Auswahl an Büchern über die Pfadfinder- und...

Urteil: Schuldig

Heute vor 1 Jahr: Mit dem heutigen vierten Verhandlungstag endete das Verfahren gegen ein früheres Vorstandsmitglied des Freien Bildungswerkes Balduinstein und früheren kurzzeitigen Präsidenten des Balduinsteiner Wandervogels (Vorläufer des Autonomen Wandervogels) mit einem Schuldspruch. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der 74-jährige Angeklagte zweimal des sexuellen Missbrauchs eines Kindes schuldig gemacht hatte. Es verurteilte ihn zu zwei Jahren ohne Bewährung. In seiner Begründung legte das Gericht dar, dass es sich zweifelsohne um eine Tatserie gehandelt habe, die sich auch nach dem juristisch noch relevanten Zeitraum fortsetzte. Auch weil der Angeklagte während des Verfahrens keine Reue oder Bedauern anzeigte, sah es von der Aussetzung der Strafe auf Bewährung trotz u.a. günstiger Sozialprognose, hohem Alter des Täters und fehlenden Vorstrafen ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Mehrere Prozessbeteiligte gehen davon aus, dass gegen das Urteil wohl binnen einer Woche Rechtsmittel eingelegt...

Kommentar zum ersten Verhandlungstag...

Heute vor 1 Jahr: Es gibt wohl zwei Betrachtungsweisen des Strafverfahrens wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs eines Kindes gegen den langjährigen früheren Vorstand des Bildungswerkes Balduinstein, welches heute am Amtsgericht Diez eröffnet wurde. Das eine ist die juristische Sichtweise. Und nach dieser spielte es heute nur eine Rolle am Rande, was dem Angeklagten inhaltlich vorgeworfen wurde, was er getan haben soll. Vielmehr ging es vorrangig um eines: Wann er es getan haben soll. Denn die Anklage lautet auf sexuellen Missbrauch eines Kindes. Würde sie stattdessen auf sexuellen Missbrauch eines Schutzbefohlenen lauten, wären die Vorwürfe wohl schon verjährt. Und so ging es primär darum, ob die Übergriffe tatsächlich schon 2001 oder 2002 begannen oder nicht vielleicht erst 2003. Hierzu wurden mehrere Zeugen angehört, darunter auch mehrere Betroffene von Tätern aus dem Umfeld des jetzt Angeklagten, die bereits 2014 verurteilt worden waren. Dabei ergab sich kein klares Bild, denn viele der Angehörten waren erst später zur Gruppe hinzugestoßen und konnten nur von Bauchgefühlen berichten, dass bestimmte Gegebenheiten (wie dass sogenannte Lieblingspimpfe zumeist nicht bei ihrer Gruppe in einem normalen Gästezimmer auf Burg Balduinstein übernachteten, sondern mit ihrem jeweiligen Täter beziehungsweise dem jetzt Angeklagten in dessen jeweiligen Privatraum im Obergeschoss der Burg) schon zuvor bestanden. „Auf der Burg, da war das ein offenes Geheimnis.“ Wer jedoch nicht von der juristischen Warte aus an das Verfahren ging, dem drehte sich wohl schlicht der Magen herum. Der Umstand, dass es zu manuellem und oralem Geschlechtsverkehr des Belastungszeugen und Nebenklägers mit dem Angeklagten gekommen sein soll (und im Jahr 2005 zudem wohl auch mit einem weiteren Zeugen), wurde an diesem Verhandlungstag nicht wirklich in Frage gestellt. Der Angeklagte selbst ließ seinen Anwalt eine Erklärung verlesen, dass er die Gruppe eines bereits früher verurteilten Täters (dieser gehörte der Nebenkläger an)...

Positionierung der Balduinstein

Wohl in Reaktion auf das im April mit Schuldspruch beendete Verfahren gegen seinen langjährigen sozusagen-Herbergsvater (Revision wurde eingelegt, das Urteil ist nicht rechtskräftig) und nicht abklingender Kritik am Bildungswerk Balduinstein hat der Verein vor kurzem eine Positionierung auf seiner Internetseite veröffentlicht. Darin erklärt der Trägerverein u.a., dass das Freie Bildungswerk sich seiner Verantwortung für das Wohl von Kindern und jugendlichen Besuchern bewusst sei und ein Schutzkonzept zur Minimierung von Gefährdungssituationen in Bearbeitung sei. Jegliche Gefährdung des Kindeswohls, insbesondere jegliche Form sexueller Gewalt, habe bei ihnen keinen Platz. Alle Vereinsmitglieder Bildungswerkes hätten eine umfassende Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben, was sie fortan auch von erwachsenen Übernachtungsgästen bei Veranstaltungen des Burgvereines erwarten würden. Die Selbstverpflichtungserklärung umfasst auch die Aussage darüber, dass keine der in § 72a SGB VIII aufgeführten Straftaten begangen wurde, keine Verurteilung einer solchen Straftat erfolgte noch ein solches Verfahren gegenwärtig anhängig sei. Das ist ein richtiger und guter Schritt. Mit Erstellung eines Schutzkonzeptes für einen Veranstaltungsort würde das Bildungswerk Balduinstein zu den Vorreitern in der Prävention innerhalb der Pfadfinder- und Jugendbewegung werden, denn über ein solches Konzept verfügen viele der bekannten anderen Veranstaltungsorte noch nicht. Die Frage, die sich hierbei jedoch zwangsläufig stellt, ist, warum diese Maßnahmen erst jetzt erfolgen. Seit 2013 war der Vorstand des Bildungswerkes über den Tatverdacht gegen ihren sozusagen-Herbergsvater und damaligen Angehörigen des Vorstandes informiert. Dies geht aus einer gerichtlichen Zeugenaussage ebenso hervor wie aus einer entsprechenden Beschwerde des Nebenklägers (denn es war nicht zulässig, die Akten des Verfahrens zu verbreiten). Im Januar 2016 wurde die damalige erste Vorsitzende zudem persönlich von der Verfasserin dieses Beitrages in geeigneter Form darauf aufmerksam gemacht, dass immer noch ermittelt wird und der Versuch, die Burg Balduinstein aus ihrer Krise herauszuführen, zum Scheitern verurteilt sei, weil der Ansprechpartner immer noch unverändert wäre. Im Frühjahr 2016 erklärte...