Buchvorstellung: Das Leben ist zu kurz für irgendwann...

Literarische Roadmovies sind kein Novum, gerade jene nicht, bei denen eine/r der Fahrzeuginsassen dem Ende seines Lebens nahe steht.In ihrem neuen Roman „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“ zeichnet die irische Bestsellerautorin Ciara Geraghty das Bild zweiter Ü40-Freundinnen „wie Chili und Schokolade“. Iris, die an fortschreitender Multipler Sklerose erkrankte temperamentvolle Naturgewalt und Terry, der unscheinbare dienstbare Geist ihrer Familie, die in Küchen anderer überlegt, ob man die Fliesenfugen wohl mit Backpulver und Soda sauberkriegen könnte, jede Abweichung von Plänen als Verantwortungslosigkeit empfindet und aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Die Fahrt beginnt am Geburtstag von Iris, welchen diese erklärtermaßen nicht zu Feiern wünschte, was Terry freilich nicht davon abbringt, dennoch einen Kuchen zu backen. Doch als sie diesem überbringen will, muss sie feststellen, dass Iris nicht nur nicht beim angeblichen Yogakurs ist, sondern sich vielmehr von der irischen Insel auf den Weg in die Schweiz begeben hat, um ihrem Leben selbstbestimmt in einer entsprechenden Klinik ein Ende zu setzen. Entgegen ihrer Natur beschließt Terry, obgleich sie ihren demenzkranken Vater auf dem Beifahrersitz bei sich hat, sofort alles stehen und liegen zu lassen, um ihre beste und einzige Freundin von deren Plänen abzuhalten. Der Roman ist kurzweilig und trotz der Schwere der Themen dann doch eher primär unterhaltsam. Solide verarbeitete Klischees lassen kaum Raum für überraschende Wendungen. Freilich schimmert hie und da die Realität durch. Man kommt nicht umhin, zu glauben, die Autorin habe die Stimmung des von den Freundinnen besuchten Jason Donovan-Konzertes aus eigenem Erleben ebenso gespeist wie die Schilderung der Kreidefelsen, der Unterkünfte in Frankreich oder das Abdichten des Kühlers mit Hilfe eines rohen Eies. Der Roman erreichte die Top Ten der Irish Times Bestsellerliste. Gut gemachte Unterhaltung für das weibliche Publikum. Ciara Geraghty: „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“...