Nachruf auf „Puschkin“ Helmut Wurm

Uns erreichte die Nachricht, dass „Puschkin“ Helmut Wurm am 22. November plötzlich und unerwartet im Alter von 81 Jahren seine letzte Fahrt angetreten hat. Als (Hobby-)Historiker und Verfasser zahlreicher „Bündischer Biographien“, Wander- und Veranstaltungsberichte auf seiner Internetseite www.buendische-blaue-blume.de hatte er eine besondere Reputation erworben. Zuletzt regte er die Anbringung der Gedenkplakette für Alfred Zschiesche an.

Puschkin wurde am 28. Juni 1941 in Frankfurt/M. geboren, verbrachte aber Jugend und seine frühen Erwachsenenjahre hauptsächlich in Wiesbaden. Mit 11 Jahren trat er in eine Jungschargruppe des Wiesbadener evangelischen Jungen- und Jungmännerwerkes und mit 12 Jahren zusätzlich in eine Pfadfindersippe (Oranien) innerhalb der damals streng religiös-scoutistischen Heliand-Pfadfinderschaft ein, durchlief dort alle Ausbildungsstufen bis zum Sippenführenden und leitete von 16 bis 19 Jahren eine Pfadfindergruppe, erst die Meute, dann die ganze Sippe Oranien. Gemäß der damaligen „Führungsphilosophie“ innerhalb dieser Pfadfinderschaft waren Erwachsene nur in Form hauptamtlicher Mitarbeiter vorgesehen und er musste dann austreten. Er blieb aber viele Jahre noch Mitglied im Förderkreis dieses evangelischen Jungen- und Jungmännerwerkes.

Von Frühjahr 1961 bis zur Jahreswende 1963/64 war Puschkin Mitglied ohne Ordensgehörigkeit im Nerother Wandervogel, nahm aber auch danach noch mehr oder minder häufig an freundschaftlichen Älterentreffen von Nerothern teil. 1965 nahm er Kontakt zum damaligen BDP auf, gehörte dem studentischen Roverkreis des BDP an der Universität Frankfurt an, besuchte häufig die damaligen Treffen im Pfadfinderheim Kronberg und war an der Vorbereitung und Durchführung des BDP-Bundeslagers in Forchheim 1966 am Rande mitbeteiligt. Nach der Spaltung des BDP in den BdP und BDP ab 1969 zog er sich vom BDP zurück, leitete aber später noch ca. ein Jahr lang eine kleine BdP-Pfadfindergruppe an seiner Schule. An schulischen Projekttagen organisierte er wiederholt Pfadfinderlager/AG’s Leben wie ein Pfadfinder.

Sein bündisches Interesse galt dem Thema, die Pfadfinder- und vor allem die Wandervogelidee gleichberechtigt und unabhängig von jeweiligen Jugendgruppen und von den in der Jugendzeit erhaltenen oder nicht erhaltenen „bündische Weihen“ auf die Erwachsenenwelt auszudehnen und auf deren spezifische Lebenssituationen anzupassen. Wandervogel-Sein war für ihn eine Form gelebter Romantik für alle Altersstufen, den Terminus „Jugendbewegung“ empfand er als „soziologisch einfach nicht richtig“.

Wir verlieren einen guten Freund und kritischen Begleiter. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.
Trauerfeier und Urnenbeisetzung findet im engsten Kreis statt.