Jubiläum einer Freundschaft

Jubiläum am 5. Juli 2023: Deutsch-Französisches Jugendwerk wird 60 – Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) und die Scouts et Guides de France (SGDF) stärken die Deutsch-Französische Freundschaft 

„Die Bande zwischen der Jugend beider Länder enger zu gestalten“, so lautet die Aufgabe des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW), das am 5. Juli 1963 aufgrund einer politischen Initiative der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik mit einem entsprechenden Abkommen „im Dienste der deutschen und französischen Jugend“ errichtet wurde. Dieses Abkommen feiert in diesem Jahr am 5. Juli sein 60-jähriges Bestehen. Mit der bilateralen Initiative soll „die Begegnung der Jugend aller Schichten und Gruppen der Gesellschaft in beiden Ländern gefördert und unterstützt werden“.  Bis heute haben insgesamt mehr als neun Millionen Jugendliche an über 382.000 Austauschprogrammen des DFJW teilgenommen. 

Pfadfinder*innen der DPSG und SdF sind aktive Unterstützer

Die Gründung des DFJW geht auf den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, den „Elysee-Vertrag“, von 1963 zurück. „Insbesondere die Jugend soll sich der Solidarität der beiden Nationen bewusst werden, ihr kommt eine entscheidende Rolle bei der Festigung der deutsch-französischen Freundschaft zu“, so damals die beiden Staatsoberhäupter Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in ihrer Erklärung zum Abschluss dieses Vertrags. Nach dessen Unterzeichnung am 22. Januar 1963 folgte daher am 5. Juli 1963 das zwischenstaatliche Abkommen zur Gründung einer „Organisation zur Förderung der Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Jugend“ – die Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW). Aktive Unterstützer dieser Verbindung sind von Beginn an die Pfadfinder*innen der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) sowie der Scouts de France (SdF), der später mit dem ebenfalls katholischen Verband Guides de France zu den Scouts et Guides de France (SGDF) fusionierte.

Friedenspfadfinder von Anfang an dabei

Zur Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks im Jahre 1963 konnten die beiden Verbände aufgrund ihrer gemeinsamen Geschichte bereits ein klares Konzept mit ihren Vorstellungen von deutsch-französischen Begegnungen auf Pfadfinder*innen-Ebene vorlegen. Schon seit den 30er Jahren bestehen Kontakte zwischen Gruppen der DPSG und der SdF. Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges lebten diese Kontakte zwischen den ehemaligen Kriegsparteien wieder auf, getragen von dem Willen, Frieden und Aussöhnung zu schaffen. 1947 ermöglichten die französischen Gastgeber Mitgliedern der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg die Teilnahme am Jamboree – auch Friedensjamboree genannt – einem internationalen Großlager. Bis 1963 hatte die enge Zusammenarbeit zwischen DPSG und SdF bereits einen beachtenswerten Anteil an der Verständigung zwischen der Jugend der beiden Völker erreicht. Mit der Gründung des DFJW wurden die pfadfinderischen Begegnungen und der Austausch zwischen den deutschen und französischen Kindern und Jugendlichen dann deutlich intensiviert.

DFJW fördert pfadfinderische Pädagogik

Seit 1976 ist diese Zusammenarbeit der beiden Pfadfinder*innen-Verbände auf Bundesebene durch ein spezielles Referat, die „Deutsch-Französische Kommission“, institutionalisiert. Die Aufgaben, die das DFJW international mit seinen Partnern als politische Aufgabe wahrnimmt, bildet die Deutsch-Französische Kommission auf der Ebene des Pfadfindens zwischen den beiden Verbänden ab. Weil die DPSG und die SGDF eine ähnliche Agenda haben, was das Miteinander angeht, fördert und unterstützt das DFJW deren pädagogische Arbeit. Die Kommission besteht aus vier französischen und vier deutschen Pfadfinder*innen, zusätzlich sind zwei hauptberuflich Mitarbeitende aus den beiden Verbänden vertreten. Die Arbeit der Deutsch-Französischen Kommission hat bis heute mehreren tausend Pfadfinder*innen Türen zu internationalen Begegnungen geöffnet und die Nachbarn Deutschland und Frankreich enger zusammengebracht.

„Natürkültür“ ist Völkerverständigung

Die deutschen und französischen Pfadfinder*innen-Verbände setzen bei ihrer gemeinsamen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf das Erleben echter Erfahrungen in einer immer stärker digitalisierten Welt. Formate wie „Natürkültür“, eine interkulturelle deutsch-französische Sprachfortbildung mit Wanderungen und pfadfinderischen Aktivitäten in Naturparks, oder auch sportliche Formate wie Segelfreizeiten bieten regelmäßig Chancen zur persönlichen Entwicklung und Völkerverständigung. Die pädagogische Ausrichtung dieser Formate wird durch das DFJW gefördert, ebenso werden Informations- und Kontaktprogramme durch Zuschussmittel vom Jugendwerk ermöglicht, insbesondere bei themenorientierten Programme. So bietet das DFJW die Ausbildung zum Gruppendolmetscher oder die „Tandemfortbildung“ an, bei denen in einer zweisprachigen Gruppe ein Experte seiner eigenen Sprache die Sprache an andere vermittelt. „Wir gratulieren und freuen uns, mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk einen so langjährigen und zuverlässigen Partner zu haben, der es uns ermöglicht, unsere gemeinsame pädagogische Jugendarbeit als Pfadfinder*innen auf allen Ebenen erfolgreich und vielfältig zu gestalten“, so Joschka Hench, Bundesvorsitzender der DPSG.

Scouting and Peace

Die Öffnung des DFJW im Rahmen des europäischen Gedankens ermöglicht nach der bilateralen Ausrichtung auch Erweiterungen der Partnerschaften auf Drittländer. Neben generellen Projekten mit Drittländern wird mit Pfadfinder*innen aus Nordmazedonien und dem französischen Partnerverband SGDF beispielsweise gerade ein dreijähriges Trinationales Projekt durchgeführt, gefördert durch das DFJW. Das inzwischen dritte Begegnungslager findet im Juli 2023 in Nordmazedonien im Rahmen des Nationalen Jamborees statt und beinhaltet u.a. Projektentwicklungen zum Thema Nachhaltigkeit. Da sich die Pfadfinder*innen weltweit als Friedenspfadfinder verstehen, haben internationale Partnerschaften für die DPSG wie auch die SGDF eine hohe Bedeutung.

Eine Geschichte, die nicht selbstverständlich ist

Wenn die Menschen in der Lage sind, die Dinge aus der Perspektive anderer zu sehen und ihren Nachbarn selbstlose Freundschaft anzubieten, kann die Möglichkeit eines Krieges nur verschwinden und die Grundlage für den Frieden auf der ganzen Welt geschaffen werden„, schrieb Lord Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung, im Oktober 1935. „Man muss nicht warten, bis es Krieg gibt, um sich als Pfadfinder nützlich zu machen. Als Pfadfinder in Friedenszeiten gibt es jeden Tag Tausende von Dingen zu tun, wo auch immer du bist„.

Bildnachweis: Christian Schnaubelt (DPSG)


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert