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Die Glocken von Altwasser

Vorbemerkung der Redaktion: Altwasser, auf tschechisch Stará Voda, ist ein verlassener Ort im Okres Olomouc. Seit 1947 lag er auf dem Truppenübungsplatz Libavá und war nicht mehr öffentlich zugänglich. Es stand lediglich noch die ehemalige Wallfahrtskirche von der ursprünglichen Besiedlung. 2015 wurde der Truppenübungsplatz Libavá erheblich verkleinert, seither sind einige Gebiete wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. In einem langfristigen internationalen, besonders von Pfadfindern getragenem Projekt wurde vor einigen Jahren mit dem Wiederaufbau begonnen, insbesondere, um die berühmte Gemeinde wiederzubeleben.Der nachfolgende Beitrag erzählt die gleichfalls wechselvolle Geschichte der Kirchglocken von Altwasser:

Von den Glocken, die der „Gründer“ Bischof, Karl der II. von Liechtenstein und Kastelkorn (im Dienst 1664–1695) und von denen, die später die Gläubigen von Altwasser angeschafft und bezahlt haben, ist bis in die heutige Zeit keine erhalten geblieben – die Glocken wurden während des Krieges requiriert. Gerettet wurden nur zwei Glocken, nämlich die, die Altwasser von den aufgelösten Olmützer Kirchen geschenkt wurden (1787 aus der St. Peter und St. Blasius Kirche) und welche später, in den 50er Jahren wieder an andere Kirchen weiter verschenkt wurden. Die Kirche des St. Jakobus des Älteren und der St. Anna in Altwasser war damals für militärische Zwecke in Verwendung. Zig Jahre schon erschallt nichts mehr von den Kirchentürmen. Die letzte Glockenweihe spielte sich in Altwasser am 4. Dezember 1927 ab als da noch die Benediktiner tätig waren, d.h. vor 95 Jahren, die eingeweihten Glocken wurden 1942 für Kriegszwecke beschlagnahmt.

Bei der Rekonstruktion der Kirche in den 90er Jahren, bekamen die Türme weder das Uhrwerk noch die Glocken. In letzten Jahren erfüllte das Glockenläuten das Kirchenareal nur ein einziges Mal – bei einer St. Anna Wallfahrt. Damals liehen sich die Pfadfinder (Junák – Svaz skautů a skautek, oddíl Velký Týnec) von der Glockenwerkstatt Tomášková-Dytrychová s. r. o. eine Glocke aus. Sonst musste man sich mit einer reproduzierten Glockenaufnahme zufriedengeben, die von einem sich im Turm befindenden Lautsprecher abgespielt wurde. Die Dinge ändern sich aber langsam.

Am Ostermontag, den 18. April 2022 besuchte Br. František Jan Teister OSB mit seinem Genossen Br. Jakub Maria Jiří Pohl OSB aus dem Bistum Rajhrad Altwasser. Sie schauten sich die Kirche und die Klosterruinen an, besuchten die St. Anna Kapelle am Königsbrunnen und den Friedhof von Altwasser. Im Gebet erinnerten sie nicht nur an den dort beerdigten Br. Emmeram Albert Rupprecht OSB, sondern auch an alle Ordensbrüder, Priester, Bewohner und Wallfahrer. Altwasser besuchten sie zum einhundertsten Jubiläum der Ankunft der Prager Benediktiner an diesem heiligen Wallfahrtsort.

Willkommen geheißen wurden sie von Pavel Petržela, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verschönerungsvereins Lubavia. Damals bot Br. Fr. Teister die Vermittlung der zwei Glocken für die Kirche in Altwasser an. Bald danach kam es zur Einigung mit der Römischkatolischen Pfarrei in Schillersdorf (Šilheřovice), die vertrat der P. Mgr. Jakub Dominik Štefík, und die die Glocken bereitwillig nach Altwasser schenkte.

Die Schillersdorfer (Šilheřovice) Glocken wurden in der kurzen Zeit der politischen Lockerung in 1970 in den Eisenwerken Třinec aus Gießstahl gefertigt und ersetzten für längere Zeit die im Zweiten Weltkrieg requirierten Glocken. Die St. Barbara Glocke wiegt 490 Kilo und die Glocke der Jungfrau Maria und des hl. Joseph hat stattliche 540 Kilo. Im Jahre 2012 gelang es dem Br. Teister die ursprüngliche requirierte Glocke aus Schillersdorf zu finden, sie hing in der neu errichteten St. Gertrude Kirche in Köln am Rhein. Nach dem Ansuchen der Schillersdorfer Pfarrei wurde diese Glocke zurückgegeben und erneut in den Turm der Schillersdorfer Maria Himmelfahrt Kirche gebracht. So wurden die Ersatzglocken zum Schweigen verurteilt. Letztendlich fanden diese ihre neue Berufung, als sie Pavel Petržela nach Altwasser brachte. Bis Ende November d. Jahres sollten die Glocken an dem neuen Dienstort wieder in Betrieb genommen werden.

Davor musste man aber den Raum im Turm vorbereiten. Ende Oktober 2022 brachten die Pfadfinder unter der Leitung von JUDr. Jan Pečínka und Aleš Jan Tománek die Bretter von dem Sägewerk Klesnil s.r.o aus Bärn-Andersdorf, aus den man ein Plateau im Turm gebaut hat. Das Material trugen sie hoch in den Turm und haben auch das Plateau gebaut. Es war auch nötig, die Fensteröffnung zugänglich zu machen, damit man die Glocken überhaupt mit einem Kran hineinbringen kann. Das Andersdorfer Sägewerk und A. J. Tománek stellten Balken zur Verfügung, aus denen der Glockenstuhl gebaut wird. Für die finale Installation erklärten sich JUDr. J. Pečínka und A. J. Tománek verantwortlich.

Den feierlichen Gottesdienst am 17. November 2022, im Rahmen dessen die Glockenweihe stattgefunden hat, hielt der Bischof-Administrator Mons. Josef Nuzík ab. Erwartet wurden viele Pilger und Interessierte, angesichts der sich rasch veränderten Wetterlage kamen zirka 200 Personen. Für die musikalische Begleitung bei der Glockenweihe sorgte eine Bläsergruppe der Forstabteilung Lipník nad Bečvou und die Musikschule Potštát. Der Einladung folgte der Obmann der Olmützer Region Herr Ing. Josef Suchánek. Dokumentiert wurde das Event vom tschechischen Staatsfernsehen und von dem Fotoverein Der Mensch und der Glaube.

Zum Schluss ergriff Frau Jana Krejčová das Wort mit einer Danksagung: „Wir bedanken uns aus ganzem Herzen beim Herrn Pfarrer Th Dr. František Teister OSB für den Anstoß und die Vermittlung der Glockenschenkung, bei dem ehemaligen Administrator aus Šilheřovice Herrn Jakub Dominik Štefík für seine Bewilligung mit dem Umziehen der Glocken nach Altwasser, für die Hilfe möchten wir uns auch bei dem Kirchendiener aus Šilhéřovice Josef Rymer bedanken, der Dank gilt auch Aleš Tománek, Pavel Petržela, Jan Pečínka, der Firma Klesnil s.r.o. (Sägewerk Bärn – Andersdorf) und vielen weiteren, die mit der Überführung der Glocken und deren Installation geholfen haben. Wir arbeiten chronologisch, deswegen kommt erst fast ganz zum Schluss ein Vergelt’s Gott Ihrer Exzellenz Mons. Josef Nuzík für seine Bereitschaft den heutigen feierlichen Gottesdienst abzuhalten, dieser Dank gilt auch den Geistlichen und den Ministranten. Wir bedanken uns bei der Bläsergruppe der Forstabteilung Lipník nad Bečvou und ZUŠ Potštát für ihren Auftritt. Für das Verständnis und die Unterstützung sagen wir der Frau Bürgermeisterin der Stadt Liebau Bc. Štěpánka Tichá und dem Verschönerungsverein Lubavia danke. Nicht zuletzt sind wir allen dankbar, die geholfen haben und denen die heute kamen, um mit uns diesen besonderen Tag zu feiern.“

Autorin: J. Krejčová. Eingesendet von: Dr. J. Pečínka. Übersetzung: Michal Urban, Ulrike Strigl
Das Foto zeigt Pfadfinder bei einem vorangegangenen Arbeitseinsatz.


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Kommentare

Eine Antwort zu „Die Glocken von Altwasser“

  1. Avatar von Helmut Gager
    Helmut Gager

    Meine Mutter wurde in Herlsdorf geboren und hat mir immer wieder von Altwasser erzählt und so habe ich beschlossen in nächster Zeit in Gedenken an meiner Mutter von Herlsdorf nach Altwasser zu pilgern.

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