Der tusk-Gedenkstein auf Burg Waldeck

Am 4./5.11.1961 wurde unter denkwürdigen Umständen im Ehrenhain der Burg Waldeck ein Gedenkstein für Eberhard Koebel (tusk) gesetzt. Er war vom Maulbronner Kreis (u.a. Hans Seidel, Werner Lehndorff (traun), Paul Haubrich (Old Hein), Theo Jung, Fritz Jeremias (muschik), Oss und Hein Kröher) gestiftet worden. Der Stein kam aus der Eifel, das Relief hatten Fritz Stelzer (pauli) und Erich  Mönch (schnauz) entworfen.  Die ABW stellte das „Sälchen“ für die Gedenkveranstaltung zur Verfügung.  Sie begann mit einer Singenacht am 4.11., an der eine Vielzahl von Vertretern von aktiven Jungenschaftsbünden, ehemalige  dj.1. 11-Angehörige und Freunde aus anderen bündischen Vereinigungen aus  Freiburg, Stuttgart, Köln, Aachen, Berlin und dem weiteren Bundesgebiet teilnahmen.

Die Gedenksteinsetzung am folgenden Tag hatte einen unerwarteten Höhepunkt, als sich die Wolkendecke öffnete und den Blick frei machte auf tausende von Zugvögeln, die in diesem Augenblick lärmend die Waldeck überflogen. Der Himmel war schwarz von Vögeln, die von Nowaja Semlja gekommen waren und der Gedenkstunde eine ganz eigene Stimmung verliehen. Es war, als wollten auch sie ihrem tusk, der die Zugvögel innig geliebt und ihre Brutgebiete im Norden als Ornithologe mehrmals besucht hatte, die letzte Ehre erweisen.

Während die Gedenksteinsetzung von einem Großteil der tusk-Anhänger als eine längst fällige Ehrung für den Rebellen, genialen Erfinder und legendären Jungenführer begrüßt wurde, gab es einen Kreis von strenggläubigen Tuskisten, die darin einen schwerwiegenden Verstoß gegen die ungeschriebenen, aber  streng zu befolgenden dj.1.11-Gesetze  sahen, da tusk – angeblich –  gesagt hatte: „Ihr sollt mir keinen Grabstein setzen“. Eine Kölner Jungenschaftshorte schritt zur Tat. In einer Nacht- und Nebelaktion riss sie den Gedenkstein aus seiner Verankerung und ließ ihn den steilen Abhang hinunter in die Baybachschlucht rollen. Jahrzehnte später forschte der „Zugvogel“ nach dem Verbleib dieses tusk-Gedenksteins und  fand ihn fast unbeschädigt im  Bachbett des Baybachs. Nachdem er mit einer Seilwinde nach oben gehievt worden war, fand er im Vorgarten eines Zugvogel-Häuptlings seine letzte Ruhestätte.

Nachzutragen ist, dass der Vogelzug, der die  Gedenksteinsetzung 1961 begleitete, durch die gewaltige Explosion einer sowjetischen Wasserstoffbombe – der sog. „Zar-Bombe“ AN602 –   auf dem Versuchsgelände in Nowaja Semlja ausgelöst wurde.  Der zerstörte tusk-Gedenkstein wurde vom Nerother Wandervogel stillschweigend ersetzt und befindet sich im Ehrenhain auf dem Gelände des Nerother Wandervogels auf Burg Waldeck und ist öffentlich zugänglich.   Das tusk-Grab befindet sich jedoch nicht auf der Burg Waldeck, sondern auf dem Prag-Friedhof Stuttgart (Grab-Nummer1-13545, Abt. 3, Reihe 12, Folge 10).

Anmerkung: Ich stütze mich auf den Bericht von Hein Kröher im „wohltemperierten Baybachboten“ 12/1961, sowie auf Informationen des ABW-Archivars Peer Krolle und von Mitgliedern des „Zugvogel“.

Anmerkung der Redaktion: Stimmt, der Originalstein dürfte bei Dülmen in einem Garten stehen. Da bereits eine Ersatzbeschaffung getätigt worden war, machte eine Rückführung auch keinen großen Sinn.

 

 

 

 

 

 


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