Coronaverstoß: Ermittlung gegen Jugendbildungsverein

Wie bereits vor einigen Wochen berichtet, wird gegen einen kleinen Verein, der Live Action Role Playing (LARP) Aktivitäten anbietet, wegen mutmaßlichem Verstoß gegen die Coronaschutzverordnung ermittelt. Inzwischen konnten endlich Details in Erfahrung gebracht werden. Der ECW Jugendbildung e.V. hatte sich entschieden, seine Veranstaltungen im Sommer trotz der Corona-Pandemie durchzuführen. Dafür erstellte er ein Hygienekonzept, welches es ermöglichte, dass alle Events stattfinden konnten. Dieses Konzept wurde  eng mit dem Landratsamt Tirschenreuth abgestimmt und sogar vom Stadtjugendring Erlangen als Basis übernommen. Es diente ebenso in seinen Grundzügen als Vorlage für den Bayrischen Jugendring. Scheint also kein schlechtes Konzept gewesen zu sein.

Die drei Zeltlager, die der Verein dann in den Wäldern bei Erbendorf abhielt, wurden zudem unangekündigt vom Landratsamt kontrolliert und es wurden keine Verstöße festgestellt. Alle Teilnehmer waren zu Beginn des Events auf Fieber gemessen worden und einige hatten sogar einen negativen Corona-Test vorgewiesen. Bei der Veranstaltung selbst wurden die Jugendlichen in kleine Gruppen getrennt und der überwiegende Teil fand unter freien Himmel statt.

Wie „Teilzeithelden.de“ berichtete, waren die Ermittlungen erst im Nachhinein durch einen Facebookpost des ECW e. V. ausgelöst worden. Dort waren Bildern zu sehen, auf denen Teilnehmer den Mindestabstand nicht eingehalten hatten und mehrheitlich keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen. Daraufhin wurden gegen den Verein – von wem auch immer – Anzeigen erstattet und die Behörden sahen sich gezwungen, dem auch nachzugehen. Der Verein selbst soll von einem „Shitstorm“ gesprochen haben, der aufgrund der Bilder über ihn hereingebrochen sei, bezog sich damit aber weniger auf die Ermittlungen, vielmehr die Internetgemeinde. Die Bilder seien erst gegen Ende der eigentlichen Veranstaltung entstanden.

Ende Oktober teilte das Landratsamt mit, dass sich die Prüfung der Angelegenheit aufgrund der Corona-Situation verzögere.

Es kam also offenbar nicht zu Ansteckungen, sonst wäre dies sicherlich mitgeteilt worden. Es gab auch kein Problem mit dem Hygienekonzept. Es schlug vielmehr mutmaßlich der „Faktor Mensch“ zu, der offensichtlich meinte, dass Fotos mit Masken, wo alle mehrere Meter auseinander stehen, reichlich doof aussehen würden. Plus (als würde das nicht reichen) die zusätzliche Unbedachtheit des Veranstalters selbst (!), die fotographische Dokumentation dieses Verstoßes öffentlich zu posten. Was soll man dazu denn noch sagen: Eigenes Hygienekonzept nicht gelesen, nicht verstanden?

In Anbetracht von Demonstrationen mit hundertfachem Verstoß mit Ansage gegen Hygieneregeln wage ich jedoch die Prognose, dass diese Angelegenheit für die Veranstalter glimpflich ausgehen wird, zumal noch keiner erwähnt hat, dass es zu einer Ansteckung kam.

Foto: RalfHuels, Wikipedia Commons (das Bild zeigt _nicht_ die Angeklagten)