Bericht vom Peter-Rohland

Der Peter-Rohland-Singewettstreit, welcher stets Anfang September auf dem Gelände der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck stattfindet, beging vergangenes Wochenende sein 20. Jubiläum. Das traditionelle Vorabendprogramm am Freitag war diesmal dem vor 10 Jahren verstorbenen Skynnie aus dem Zugvogel gewidmet. Dies sorgte für eine starke Präsenz von bündischen Gästen insbesondere aus dem Umfeld des Zugvogel. So viele Kohten und Jurten sollen die Vorjahre nicht gesehen worden sein. Denn der Peter-Rohland-Singewettstreit ist keine rein auf die Bewegung reduzierte Veranstaltung, auch wenn diese unter den musikalischen Beiträgen zumindest diesmal doch von wenigen Ausnahmen unter sich blieben.

In einer Mischung aus illustren Fahrtenberichten von Skynnie selbst und persönlichen Erinnerungen von Weggefährten, unnachahmlich vorgetragen durch Sebi aus dem Zugvogel, stets eingerahmt von hochwertigen musikalischen Beiträgen bekannterer bündischer Ensembles mit Liedern von Skynnie bzw. über Skynnie, verging der Freitagabend viel zu schnell. Die Verfasserin dieser Zeilen hätte gern noch mehr gehört, gern auch aus den Fahrtenberichten. Skynnie, der konnte nach eigener Überzeugung fast alles. Und das nach seiner Überzeugung auch besser als andere. Solche mit vielerlei Talenten gesegnete Menschen haben wohl öfter das Problem, sich nicht auf ein Interesse festlegen zu können, noch weniger auf ein berufliches Interesse und schon gar nicht, wenn die Konsumgesellschaft und ihr Streben nach Geld zudem abgelehnt werden. So vagabundierte Skynnie eher durch sein Leben, welches viel zu früh endete und inspirierte dabei Viele durch seinen unnachahmlichen Stil. Unterhaltsam auch die kurzen Seitenhiebe auf den früheren Gruppenkameraden Christian „Faxe“ Lindner oder anschauliche Schilderungen zu anderen bekannten Personen wie Alexej Stachwotisch (Axi), der wohl das bunte Trüppchen um Skynnie für eine sehr unwürdige Schar befunden haben muss, weil sie, nachdem er behauptet hatte, im Haus gäbe es keinen Alkohol, die in seinem Kühlschrank aufgefundene volle Flasche Wodka heimlich leerten und zuletzt die leere Flasche hinter einem Bücherregal versteckten. Auch konnte man erfahren, dass es keine gute Idee ist, tiefgefrorenes Hühnchen auf Fahrt mitzunehmen, es dann doch nicht zu Essen und erneut einzufrieren, um es dann bei der nächsten Fahrt zumal semi-roh zuzubereiten und zu verzehren.

Organisatorisch ist man auf der Waldeck eingespielt: Platz ist ausreichend da, Kaffee gibt es schon deutlich vor neun Uhr und der Ausschank ist nahezu durchgängig besetzt. Für den Fall von Regen steht ein praktisches großes, allerdings atmosphärisch zweifelshaftes Festzelt zur Verfügung, welches auch dieses Jahr zumindest am Samstag wieder zum Einsatz kommen musste. Schöner natürlich die Naturbühne. Verpflegungstechnisch gab es auch nichts zu mäkeln, die Auswahl reichte vom Flammkuchen über Eintöpfe und Salate bis hin zur Wildbratwurst und frischen Streuselkuchen. Mir fehlen die Crepes, aber man muss ja nicht immer alles haben.

Der Singewettstreit selbst hat die Besonderheit, dass neben den üblichen Kategorien Jugendfahrtengruppen, und Singkreise auch eine für Einzelsänger und (eher semiprofessionelle) Ensembles existiert sowie ein Preis für das beste selbstgeschriebene politische Lied vergeben wird. Ich bin ja kein Freund davon, dass Gruppen jedes Jahr exakt zwei Lieder perfekt einüben, mit denen sie dann jeden Singewettstreit abklappern, der nicht bei drei aufm Baum ist. Ich habe ja die Illusion, dass musikalisch gut aufgestellte Gruppen mit Teilnahmefreude an Singewettstreiten dann wenigstens ihr Repertoire erweitern könnten und nicht überall das Gleiche vortragen. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, dass meine (musikalisch eher weniger beschlagene) Truppe es einst beim Ottenstein-Sängerfest schaffte, vor die musikalisch hervorragendenden Ubier plaziert zu werden, weil diese es gewagt hatten, ein Lied vorzutragen, welche sie drei Monate vorher schon beim HaSiWe zum Einsatz gebracht hatten. Diese Zeiten sind offenbar vorbei. Vielleicht ist man froh, überhaupt genügend Gruppen für die Bühne zu finden und dann will man vielleicht auch nicht ausgerechnet die musikalisch Besten verärgern, nur weil sie wieder die selben Lieder vortragen, wie beim Zugvogel-Sängerfest oder beim Rheinischen Singewettstreit und damit wieder sehr erfolgreich waren. Trotzdem möchte ich die DPSG Langerwehe und die Basschwestern fragen, ob ihr Repertoire tatsächlich so begrenzt ist und ob es genauso Spaß macht, immer mit demselben Lied zu gewinnen (oder den Orden Orca, ob mit denselben Liedern gegen dieselbe Konkurrenz wieder nicht zu gewinnen nicht irgendwie frustrierend ist). Andererseits – und das überwiegt: Toll, dass es euch gibt und ihr uns mit euren Liedern erfreut!

So oder so fragt man sich als eher am bündischen Liedgut interessierter Zuschauer mit begrenzer Zeit: Fahre ich nun nächstes Jahr lieber zum Sängerfest des Zugvogel oder zum Peter-Rohland – denn musikalisch ist die Deckungssumme einfach recht groß. Wären da nicht die besonderen Kategorien! Die Vorträge der Einzelsänger waren von seeehr gemischter Qualität. Das reichte vom Fremdschähmen bis hin zu hervorragenden Vorträgen. Ruski bekam – verdient – gleich für beide Lieder den Preis für das beste selbstgeschriebene politische Lied. Thematisch bewegte man sich viel im Areal der Fragestellung, was wirklich wichtig ist im Leben. Und ein wenig Liebe. Man kann sich über Entscheidungen der Jury trefflich streiten, aber so schwer war es diesmal nicht – überraschend allenfalls in der „Königsdisziplin“ Ensembles, dass das südamerikanische und ungenommen lebendigste Duo gewann, wohingegen sich Mirwana nicht unter den ersten dreien befand. Vielleicht liegt es daran, dass man auf der Waldeck einfach immer schon auch der internationalen Folklore verschrieben hat und nicht-deutsche (und nicht-englische) Lieder einfach mehr honoriert, zumal wenn sie lebendig vorgetragen werden.

So oder so hatte sich der Besuch gelohnt, mir werden der Wettstreit und der Freitag noch lange in Erinnerung bleiben.