Auf den Spuren von Fahrten Ferne Abenteuer (Teil 2)

Eine junge, outdoorbegeisterte Familie machte sich im Herbst 2018 auf den Weg nach Schweden. Dabei probierte sie immer wieder etliche Survival-Tipps aus dem Klassiker aller Pfadfinder-, Survival und Outdoor-Handbücher „Fahrten, Ferne, Abenteuer“ von Hans von Gottberg aus – unter dem Motto „Alte Pfadfindertricks neu entdeckt!“.“ Ein spannendes Projekt, welches durch Bildmaterial, Videos und umfassenden Bericht dokumentiert wurde. Gern stellen wir es auch Scouting.de in Auszügen Stück für Stück vor, hier jetzt der Anfang des Berichtes und einige Fotos:

Kinder, Kanus, Köttbullar: Familien-Abenteuer im schwedischen Indian Summer

„Im Herbst ist ja noch nie einer aus unserem Kanu-Klub nach Schweden gefahren, seid ihr sicher, dass das eine gute Idee ist?“
So der Kommentar eines zufällig vorbeikommenden Paddlers, als wir im Kieler-Kanu-Klub unsere Kajaks auf dem Dach unseres Bullis verzurren.

Das war sogar eine sehr gute Idee! So unser Fazit rund zwei Wochen später, denn hinter uns liegen die ersten beiden Oktoberwochen im mittelschwedischen Dalsland, bei bestem Herbstwetter und mit einmaligen Färbungen der Wälder. Zugegebenermaßen war es ein Zugeständnis an die nächtlich zum Teil aufkommenden Fröste, dass wir dieses Mal in einem schönen und sehr typisch schwedischen Ferienhaus gewohnt haben und nicht mit dem Zelt unterwegs waren, wie zum Beispiel im Sommer 2015, als wir mit den drei Mädchen (damals 10, 7 und 2) auch mehrtägige Paddeltouren unternommen haben. Jedoch war dieses Haus so wunderbar gelegen, dass uns nicht nur morgens ein Elch beim Frühstück besuchte, sondern rund um unser Grundstück mehrere Biberfamilien ihre Burgen gebaut hatten – kurzum, das Haus lag mitten im Nichts: 40 Kilometer zum nächsten Supermarkt, wofür wir über die Schotterpisten rund eine dreiviertel Stunde brauchten, aber wir waren sowieso auf Selbstversorgung eingerichtet und hatten praktisch alles Notwendige schon bei der Abreise eingepackt.

Pia (13), Svea (10) und Jette (5) waren schon vor der Abfahrt mit der Fähre von Kiel nach Göteborg Feuer und Flamme für die Familienzeit in Schweden: Paddeln, Hütten bauen, Lagerfeuer machen, Stockbrot machen, Ronjas Wolfsklamm besuchen, Klettern und Tiere beobachten standen auf ihrer Wunschliste ganz oben – auf meiner auch und Daniela ergänzte diese noch um einen Stadtbesuch in Göteborg und einen Kurztrip in die Schärenlandschaft vor der schwedischen Ostseeküste bei Göteborg. Das Programm stand.

Prolog in den Schären vor Göteborg

So kam es dann auch, dass wir vor Abfahrt eine wunderschöne Wohnung in der ersten Etage einer Villa direkt in den Schären vor der Insel Styrsö mit Blick in die Abendsonne fanden.

Entdeckungstouren über Felsen und eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet auf der Insel Vrångö, Inselhopping mit den kleinen Personenfähren und Radtouren füllen die Tage problemlos auf den  autofreien Schären-Inseln: Entschleunigung.

Weniger erfreulich ist, dass wir an den Westseiten der Inseln immer wieder zum Teil erhebliche Mengen an Plastikmüll finden. Treibsel, welche offenkundig zum größten Teil von vorbeifahrenden Schiffen stammen und eben nicht achtlos weggeworfener Müll von Touristen sind. Diesen Eindruck bestätigt uns auch eine Einheimische, mit welcher wir ins Gespräch kommen, als wir auf einer unserer Wanderungen mal wieder eimerweise Plastikmüll sammeln, um ihn in der nächsten Mülltonne zu entsorgen. Pia nutzt die Situation gleich für ihr bevorstehenden Referat in der Schule zum Thema Plastikmüll im Meer (wir wohnen in Kiel selber direkt am Wasser) und macht einige Fotos, u.a. von einer Möwe, welche mit einem verhedderten Plastikseil im Schnabel (Resten eines Fischernetzes) am Strand verendet ist und nun zum Untersuchungsobjekt unserer Töchter wird. Von ihr stammt dann auch schließlich die Idee einer Müll-Challenge zwischen Kindern und Eltern: Wer am Strand in einer Stunde aus gefundenem Plastikmüll die kreativste Idee bastelt, soll gewinnen.

Also spurten wir in zwei Gruppen los (Eltern gegen Kinder), sammeln Plastik ein und  basteln. Schließlich wird aus beiden Produkten ein gemeinsames Projekt (die „Hochzeit von Bernadette und Harry Potter“) und gewonnen hat: die Natur.

Ein Lernanlass für die Kinder allemal, uns als Familie macht es jedoch sehr nachdenklich wie man sich der Situation der Vermüllung der Meere erwehren soll.

Der schöne Gesamteindruck der Schärenlandschaft leidet darunter zwar ein wenig, die Situation ist aber nicht ansatzweise vergleichbar mit der jener z.B. vor der sizilianischen Küste, wo eine unkontrollierte Entsorgung von Abfällen im Meer die Probleme noch verschärft.

Während der drei Tage auf den Schären steht unser Auto auf dem Festland in Saltholmen, dem Startpunkt der Personenfähren in die südlichen Schären vor Göteborg, was uns pro Tag ca. 15 Euro kostet. Die Fährfahrten selber wiederum sind sehr günstig und die Mitnahme unserer Fahrräder ist kostenlos. Die Kajaks warten derweil auf dem Dach des Bullis auf ihren Einsatz in Dalsland, denn in den Schären ist es erwartungsgemäß schon zu windig zum Paddeln, wir werden dafür aber mal im Sommer wiederkommen.

Nach einem kleinen Abstecher in die Altstadt von Göteborg, genauer in den „In-Stadtteil“ Haga, geht es dann in rund drei Stunden Fahrt gen Norden in unserer angemietetes Ferienhaus, direkt an einem der großen Seen in Dalsland, dem absoluten Paddel-Eldorado in Schweden. Für schwedische Verhältnisse ist es dort im Sommer schon fast „voll“. Jetzt im Herbst sind wir bei ca. 11 Grad Wassertemperatur die absolut einzigen Paddler dort. Herbstsonne, absolute Stille, unendliche Wälder, zahllose Wild-Tiere und spannende Outdoor-Abenteuer bestimmen für weitere zehn Tage unseren Tagesablauf.

 

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