Arbeitstagung

Zum Thema „Wie weiter nach dem Missbrauch“ findet am Wochenende 08.-10. November eine Arbeitstagung auf Burg Ludwigstein statt. Nach einer Archivführung am Freitag zum Thema „Pädagogischer Eros und sexualisierte Gewalt“ setzt sich das Programm am Samstag fort mit einem Vortrag von Andreas Huckele „Wie weiter nach Missbrauch?“ Am Nachmittag folgen Arbeitskreise zu den Themen 1) Was kann jede/r Einzelne für sich tun, wenn er sexualisierte Gewalt erlebt hat? 2) Was braucht ein Bund oder eine Gruppe nach der Aufdeckung von Missbrauch? 3) Wie können Archive die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch unterstützen? Der Samstag schließt mit einer Gesamtrunde zum Thema „Wie kann Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt gelingen?“Am Sonntag schließt die Veranstaltung mit einem Workshop „Wie weiter? – Fragen, Klärungen, Perspektivensrunde“. Ab 13:00 Uhr ist Zeit für individuelle Nachgespräche und Einzelberatungen.

Referenten sind:
Andreas Huckele. Als ehemaliger Schüler der Odenwaldschule initiierte er ab 1998 maßgeblich die Aufdeckung des dortigen sexuellen Missbrauchs. Als selbständiger Fami-lientherapeut, Supervisor und Mediator berät er Organisationen und Einzelpersonen in Krisen und Veränderungsprozessen.
Annemarie Selzer. Leiterin der Fachberatungsstelle Amani im Mädchenhaus Kassel mit den Schwerpunkten ehrbezogene Gewalt und sexualisierte Gewalt. Zuvor arbeitete sie u.a. als Bildungs-referentin auf der Jugendburg Ludwigstein im Bereich Prävention und Intervention von sexualisierter Gewalt in jugendbewegten Gruppen und Verbänden.
Sven Reiss. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Universität Kiel. Zudem promoviert er zum Thema „Päderastie in der deutschen Jugendbewegung“ und arbeitet im Auftrag der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (UKASK) an der Studie „Sexuelle Gewalt im Rahmen der so genannten Pädosexuellenbewegung in Berlin“.
Dr. Susanne Rappe Weber, Leiterin des Archives der deutschen Jugendbewegung.

Kosten und Anmeldung:
Die Kosten betragen 20 € pro Teilnehmer für Unterkunft, Verpflegung und Programm. Die Anmeldung wird bestätigt, sobald der TN-Betrag auf dem Konto der Jugendbildungsstätte Ludwigstein eingegangen ist. Dabei bitte im Vermerk die gewählte Arbeitsgruppe angeben. Anmeldeschluss ist der 25. Oktober 2019.

Hier der Flyer zur Veranstaltung mit weiteren Details.

Einladungstext:
„Ein Wochenende lang wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, was passiert, wenn es zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gekommen ist. Dass es in der Jugendbewegung dazu in größerem Maße gekommen ist, wurde spätestens mit dem Erscheinen des Buches „Ohne vorgehaltene Hand“ von Almut Widdershoven für jeden deutlich; dass es in allen kleineren und größeren Bünden und Verbänden so gewesen sein kann, ebenfalls. Doch was heißt das für die heutige Generation Pfadfinder*innen und Jugendbewegter? Präventionskonzepte haben inzwischen fast alle Bünde und Verbände, aber reicht es aus, nur in die Zukunft zu schauen? Oder braucht es auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des eigenen Verbandes oder Bundes? Wie kann eine Aufarbeitung aussehen und was erwarten die Betroffenen von der heutigen Jugendbewegung? Was brauchen Betroffene, um überleben und weiterleben zu können? Was brauchen Bünde und Verbände, um in Zukunft weiter bestehen zu können? Welche Dynamiken setzen in Gruppen und Verbänden nach Aufdeckung von sexualisierter Gewalt ein und wie kann man hilfreich damit umgehen? Welche Verantwortung haben Archive, bei der Aufarbeitung zu unterstützen und was ist überhaupt das Ziel von Aufarbeitung? Fragen über Fragen, die sich in den letzten acht Jahren in der Jugendbewegung immer wieder gestellt haben und denen wir an diesem Wochenende nachgehen wollen.Dazu haben wir Andreas Huckele als Referent ge-winnen können. Er war maßgeblich beteiligt an der Aufdeckung der Missbrauchstaten an der Odenwaldschule und hat dort eine große Menge Erfahrung gesammelt über jene Dynamiken, die auftreten, wenn sexualisierte Gewalt aufgedeckt wird. Wir freuen uns auf eure Anmeldung!“