90. Bundesversammlung DPSG

DPSG Bundesvorsitzende wiedergewählt – Katholische Pfadfinder*innen machen sich stark für Aufarbeitung und Intervention

Auf historischem Boden zwischen Münster und Osnabrück, dort wo vor genau 375 Jahren der Westfälische Frieden ausgehandelt wurde, treffen sich vom 18. bis zum 21. Mai 2023 mehr als 170 Delegierte der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) aus ihren Diözesen zur ihrer 90. Bundesversammlung. Gastgeber der Bundesversammlung, dem höchsten beschlussfassenden Gremium der DPSG, sind die Diözesanverbände Münster und Osnabrück. Dort wo einst eine Einigung gelang, die noch Jahrhunderte später als wichtig und prägend gilt, verhandeln und entscheiden die „Friedenspfadfinder*innen“ demokratisch über mehr als 20 Anträge zur Zukunft und politischen Ausrichtung des mit über 80.000 Mitgliedern größten deutschen Pfadfinderverbands.

Interventionsordnung verabschiedet

Ein zentraler Schwerpunkt der diesjährigen Versammlung lag auf der Verabschiedung einer verbandlichen Interventionsordnung und der Anerkennung der Rahmenordnung bzgl. Prävention der Deutschen Bischofskonferenz. Gemeinsam regeln beide Ordnungen, welche Voraussetzungen bezüglich Prävention und Intervention DPSG-Mitarbeitende auf allen Ebenen erfüllen müssen, um sich aktiv im Verband zu engagieren. Die Mitglieder, insbesondere Vorstände, Leiter*innen, ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeiter*innen, verpflichten sich im Sinne dieser Ordnungen zu einem achtsamen Umgang miteinander und leisten so einen großen Beitrag zum Kinder- und Jugendschutz in der DPSG. 

Forschungsteam für die Aufarbeitung von Machtmissbrauch vorgestellt

Das Thema Aufarbeitung von Machtmissbrauch ist bereits seit einigen Jahren ein wichtiger Schwerpunkt des Verbandes. Auf dieser Bundesversammlung hat sich das externe Forschungsteam vorgestellt, welches damit beauftragt wurde, das Forschungsprojekt durchzuführen. Das Forschungsteam leiten werden die Professor*innen Prof.in Dr.in Sabine Maschke (Philipps-Universität Marburg) und Prof. Dr. Ludwig Stecher (Justus-Liebig-Universität Gießen). Dabei geht es um die Analyse von Machtmissbrauch, mit den Schwerpunkten auf sexualisierte und spiritualisierte Gewalt. Im Fokus der Forschung stehen die Strukturen und die Kultur der DPSG im zeitlichen Verlauf.  Anhand der Analyse und Auswertung von Betroffenenberichten im Hinblick auf strukturelle Gemeinsamkeiten, persönliche Auswirkungen und verschiedene Bewältigungsansätze wird das Forschungsteam Empfehlungen für die Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendschutzes in der DPSG geben.

Bundesvorsitzende wiedergewählt

Zur neuen Bundesvorsitzenden wurde von den Delegierten einstimmig Annkathrin Meyer gewählt. Sie hatte das Amt bereits in den letzten drei Jahren inne und will in ihrer zweiten Amtszeit den Fokus weiter auf drei Themen legen: Verbesserung der Mitbestimmung innerhalb der DPSG sowie mehr Partizipationsmöglichkeiten in Politik und Gesellschaft, die Optimierung von Rahmenbedingungen, Transparenz und Attraktivität zu Vorstandsämtern, besonders auf der Bundesebene der DPSG, und eine gezielte strategische Kommunikation nach innen und außen. Die Pädagogin studierte Biologie und Sport in Köln, ist seit ihrem 8. Lebensjahr Pfadfinderin, war zwischen 2017 und 2020 Diözesanvorsitzende in Aachen und ist seit November 2020 Bundesvorsitzende der DPSG, wo sie zusammen mit Joschka Hench und Matthias Feldmann den Bundesvorstand des Verbands bildet.

„Pättkessnüffler op Friädensmisjoon“

Zur Bundesversammlung wird auch der jährliche Bericht der Bundesleitung vorgestellt, der den „Pfadfindern auf Friedensmission“ Einblick in die vielfältigen Planungen und Entwicklungen, Aktivitäten und Veranstaltungen in ganz verschiedenen Bereichen des Verbandes gibt. Ein weiteres Highlight war der Besuch von DPSG Kontaktbischof Dr. Michael Gerber aus dem Bistum Fulda, der in seinem Grußwort u.a. die Bedeutung von Jugendarbeit als Lernfeld für Demokratie betonte. Bezogen auf die Pfadfinder*innen sieht er das Pfadfinder*innenzelt, die „Jurte“, als ein gutes Bild und Botschaft dafür, was Kirche und Gesellschaft heute brauchen: Beim Aufbau einer Jurte zieht jeder in eine Richtung und dadurch wächst das Zelt. Genauso braucht eine Gesellschaft das Bewusstsein, dass unterschiedliche Kräfte aus unterschiedlichen Richtungen von verschiedenen Anknüpfungspunkten aus ziehen dürfen, dadurch wächst das Ganze.

Am 21.05.2023 endet die 90. Bundesversammlung. Alle Teilnehmer*innen stehen nach eigenem Verständnis „…für gelebte Solidarität, gegenseitigen Respekt und Demokratie ein“. Passend zum 375. Jubiläum des Westfälischen Friedens versammelten sie sich zu einem symbolischen Abschlussbild vor den typischen Jurten. Die Friedens-Pfadfinder*innen der DPSG stehen dann direkt vor ihrem nächsten großen Abenteuer, dem großen Pfingstlager mit 4.500 Teilnehmer*innen in ihrem Bundeszentrum in Westernohe/Westerwald.

Über die DPSG

Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg („DPSG“) ist mit 80.000 aktiven Mitgliedern der größte Verband von Pfadfinder*innen in Deutschland, hat bundesweit etwa 1.400 Stämme (Ortsgruppen) und bildet zusammen mit vier weiteren Verbänden (BdP, PSG, VCP, BMPPD) den Ring deutscher Pfadfinder*innenverbände (rdp). Dieser ist Mitglied der Weltpfadfinder*innenbewegung. Die DPSG ist ein Verband mit eigenständigem Erziehungsauftrag. Die sog. „Ordnung“ des Verbandes beschreibt Grundlagen, Auftrag und Ziele der DPSG. Als Leitbild gibt sie Orientierung, Anstöße und benennt Verpflichtungen – sie zeigt Chancen für jedes einzelne Mitglied und die Gruppen des Verbandes auf. Ziel ist, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Verband in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Sie sollen sich ihrer sozialen, emotionalen, spirituellen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten bewusst werden, diese weiterentwickeln und lernen, sie einzusetzen. Die DPSG ermöglicht ihnen, neue Erfahrungen zu machen. Dadurch eignen sie sich Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen an und lernen, diese innerhalb und außerhalb des Verbandes in Handeln umzusetzen. Auf Grundlage des Wertekanons der DPSG, der ein Zusammenspiel aus pfadfinderischen, gesellschaftlichen sowie christlichen Werten ist, bilden sich junge Menschen eine Meinung darüber, wie die Gesellschaft, in der sie leben, aussehen soll und setzen sich dafür aktiv ein. Sie lernen, als verantwortungsbewusste Bürger*innen, als Christ*innen sowie als Mitglieder ihrer lokalen, nationalen und weltweiten Gemeinschaften zu handeln sowie Verantwortung für andere zu übernehmen. Sie verstehen sich als Friedenspfadfinder*innen.

Bildnachweis: DPSG Bundesvorstand (v.l.n.r. Matthias Feldmann (Bundeskurat), Annkathrin Meyer (wiedergewählte Bundesvorsitzende), Joschka Hench (Bundesvorsitzender) Foto: Sebastian Boblist


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