Von Streuselkuchen und Trompeten – Ein dialogischer Bericht vom Rheinischen Singewettstreit 2013

Zwei scouting-Redakteure treffen sich am Sonntagmorgen des Rheinischen Singewettstreites und lassen das Wochenende Revue passieren.

Almi: Moin Einstein, na ausgeschlafen?

Einstein: Guten Morgen Almi! Naja, wenig geschlafen, aber das lässt sich mit ein bisschen Kaffee beheben.

Almi: Hol’ dir am besten schnell den Streuselkuchen dazu, der ist nämlich noch warm!

Wenige Minuten später stehen die Redakteure mampfend und schlürfend an der Burgmauer.

Einstein: Und was denkst du über den Wettstreit gestern?

Almi: Wettstreit, naja die Redezeit vor dem Singen wird auch immer länger. Klar eine kleine Einführung muss schon sein. Zudem waren manche Reden auch richtig gut. Auch wenn ich bei der Einführung zur „Freiheit des Vortragens von Liedern“ ein wenig anderer Meinung bin. Eine Bühne ist somit nicht vergleichbar mit dem privaten Atelier eines Malers.

Einstein: Vielleicht hätte man den russischen Choral für Axi und die Trauerrede für fräntz auch eher in die Zeit verlegen können, in der die Jury berät. Das war ja auch Axis traditioneller Platz im Programm. Schade finde ich es übrigens, dass von Axi im Liedblatt kein Lied vorgesehen war.
Aber vielleicht doch mal zum eigentlichen Wettstreit: Wie fandest du die auftretenden Gruppen?

Almi: Was mich auch dieses Jahr wieder verwundert hat, ist der Auftritt der „Gemischtschaft“ Schwarzer Adler in der Kategorie Stämme. Der DPB ist nicht koedukativ. Wenn also die Jungenschaft Schwarzer Adler und die Mädelschaft Schwarzer Adler zusammen auftreten, was musikalisch immer richtig gut ist, dann ist das ein Singekreis. So steht es jedenfalls im Regelwerk des Wettstreites.

Fahrtengruppe Speckschorf Fotograf: Einstein

Fahrtengruppe Speckschorf
Fotograf: Einstein

Einstein: Da hast du auf jeden Fall mehr Einblick in Deinen Bund.
Ich fand, dass die vorgetragenen Lieder jedes Jahr „hörbarer“ werden. Und weil diesmal wegen der geringen Singegruppenanmeldung kein Vorentscheid stattgefunden hat, ist es umso bemerkenswerter: Eigentlich war keine Gruppe dabei, deren Auftritt Publikumsfolter gewesen wäre. Was natürlich nicht heißt, dass mehr Anmeldungen nicht noch mehr Qualität erzeugen könnten.

Almi: Im Großen und Ganzen hast du Recht. Ich reagiere halt auf Geigen, die nicht vollendet beherrscht werden, verstimmt. Das war dieses Jahr glücklicherweise deutlich besser. Und die Trompeterin war richtig toll.
Ich finde es außerdem nicht gut, wenn manche Sänger mehrmals auf der Bühne stehen. Mir ist klar, dass es sich dabei um Personen handelt, die im besonderen Maße aktiv und sangesbegabt sind, deshalb beziehe ich diese Kritik keinesfalls auf die persönliche Leistung der Betroffenen.

Bassist der Gruppe Ruck Zuck Rakete Fotograf: Einstein

Bassist der Gruppe Ruck Zuck Rakete
Fotograf: Einstein

Einstein: Immerhin haben die auch die doppelte Vorbereitungsarbeit. Und auch ein guter Sänger kann eine unpassende Gruppe nicht alleine zum Sieg singen.
Ich persönlich finde den zunehmenden Einsatz von Kontrabässen super.
Erstaunlich finde ich die große Anzahl neuer Seemannslieder, die in den letzten Jahren aufkommt. Die Falado scheint da einen riesigen Einfluss auf die Gruppen zu haben. – Ich muss doch mal sehen, dass ich mal einen Törn mitmachen kann!
Schade nur, dass die Gruppe vom Pfadfinderbund Kreuzfahrer nicht beim Seemannslied geblieben ist. Der „Feuerreiter“ scheint keine gute Wahl für einen Singewettstreit zu sein. Ich hab Lieder zum Thema schon mehrfach auf anderen Wettstreiten gehört – waren alle wenig erfolgreich.

Almi: Ich finde, dass auch dieses Jahr der Mut mancher Gruppen bewundernswert war.
Mir hat gestern jemand erklärt, dass aufgrund des demographischen Wandels und bei zunehmender Konkurrenzlage durch andere Freizeitangebote die Gruppen immer weniger Nachwuchs haben, gleichzeitig das Singen in Kindergärten, Schulen und Familien vernachlässigt wird, so dass in den Gruppen erstens das grundsätzlich vorhandene Material an Sängern abnimmt und diese zweitens auch noch mühselig zum Singen hingeführt werden müssen. So kann eine Gruppe froh sein, wenn überhaupt genügend Leute für einen Auftritt zusammen kommen.
Wenn dann auch noch eine Qualitätsauswahl getroffen werden müsste, bliebe fast nichts mehr übrig. Die Nachwuchsgruppen mit den Kleinen hätten auch an Gesangsvolumen deutlich gewonnen, wenn da nicht nur fünf Kleine gestanden hätten, sondern zehn.
Ich finde, es ist den Gruppen auf der Bühne immer anzumerken, wie es grundsätzlich um die Gemeinschaft und die Liebe zum Gesang steht.

Die Mandolinenspielerin des autonomen Wandervogel. Fotograf: Einstein

Die Mandolinenspielerin des autonomen Wandervogel.
Fotograf: Einstein

Einstein: Touché! Ich denke auch, dass dies der wahre Sinn dahinter ist. Erstmal die emotionale Bindung ans Singen herstellen und dann an der Musikalität feilen. So ist der Erfolgsweg für einen Singwettstreit. Und auch die Liedauswahl muss der Gruppe gefallen.
Wo warst du eigentlich gestern Abend – hab dich gar nicht gesehen?!

Almi: Na beim Singen im Gewölbe! Hab mich kräftig mit Feuerrauch einräuchern lassen. Die Stimmung war wie immer hervorragend. Ist zwar eher eine kraftvolle, denn besinnliche Singerunde, aber genau mein Ding. Die gesamte Burg ist einfach ideal, ja sogar phänomenal toll für den Wettstreit.
Mir ging übrigens das Herz auf, als ich die kleinen Steppkes von den Schwarzen Adlern da wieder getroffen hab und sie lauthals jedes angestimmte Lied mitschmettern konnten. Das zeigt mir doch, dass da auch im Alltag des Gruppenlebens Freude am Gesang herrscht und dass es sich da nicht um etwas handelt, was man halt macht, weil „man“ als Gruppe in unseren Kreisen halt zu singen hat.

Einstein: Deshalb war ich ja am Freitag auch schon intensiv singen! Der Samstag auf der Burg Rheinfels ist für mich Tanztag. Ich vergaß, du bist ja nicht so begeistert beim Tanzen. Die CP Saar hat ein paar schöne Tänze dabei, die nur hier getanzt werden. Das lass ich mir nicht entgehen. Hat zwar ein wenig gedauert, bis sich die Tänzer in ausrechender Zahl eingefunden hatten, aber zum Schluss mussten wir sogar in den Hof umziehen, weil der Saal zu klein war. Das Feuerwerk war übrigens auch Klasse! Viele Leute denken immer noch, dass es vom Singewettstreit war – lassen wir sie in dem Glauben.
Was hältst du eigentlich davon, den Bericht über den Wettstreit als Dialog zu machen?

Almi: Super Idee! Ich geb’ dir meine Stichworte und du baust was zusammen.

Einstein: Geht klar! Bis dann!

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