Buchvorstellung: Die Stadt hinter dem Dönerladen...

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Das macht diese Autorin zu einem Vorbild und einer Pfadfinderin im besten Sinne des Wortes. Der dritte Jugendroman der Kölner Schriftstellerin Mirijam Günter: „ Die Stadt hinter dem Dönerladen“ knüpft inhaltlich an den Vorgänger „Die Ameisensiedlung“ an, übertrifft diesen aber sowohl inhaltlich, als auch von der schriftstellerischen Umsetzung her. Der aktuelle Roman über ‚illegale‘ Menschen, Behördenwillkür, Bindungsängste und Verantwortungsgefühl bildet die Großstadtkultur durch die Augen Jugendlicher ab – als ein wilder Aufschrei über die soziale und politische Situation in Deutschland.„Ich bin so abgenervt von dem Biovollwertwahn, dass ich mir geschworen habe, mich, wenn ich von zu Hause ausgezogen bin, nur von Tütensuppen zu ernähren und meinen Cappuccino nur aus Plastikbechern zu trinken, die ich jeden Tag entsorge. Das ist die größte Umweltsauerei und hilft der Klimaerwärmung. Ist eh zu kalt in diesem Land.“ Nickys Leben liegt in Trümmern. Ihre beste und einzige Freundin ist abrupt verschwunden, nachdem sie nicht nur von ihrem Freund und dessen Kumpels vergewaltigt wurde, sondern zudem ein Filmchen davon einmal die Runde über den Schulhof machte. Rainer, der Freund ihrer Mutter, der für Nicky eine Vaterfigur darstellte, hat sich getrennt – und seither ist auch Nicky für ihn abgemeldet. Die Mutter ist in ihrer Selbstfindungsphase und macht Yoga. Die desillusionierte und unfreiwillig einzelgängerische Hauptperson Nicky trifft auf „Nenn-mich-Deco“, den rätselhaften und sehr attraktiven jungen Mann, mit dem kein normales Gespräch möglich scheint, da er nach seiner Aussage überhaupt nicht existiere und somit tot sei. Was zunächst wie der Spleen eines übergeschnappten Teenies klingt, offenbart sich nach und nach als eine menschliche Tragödie mit erschreckend realem Bezug zur Wirklichkeit, zum Deutschland der Gegenwart. Wenn das, was einfach und unbeschwert einfach Jugend sein sollte, von existenziellen Fragen überschattet wird, bleiben Zynismus und Hoffnung zugleich wie...