Dialog der Bünde: BdP ist jetzt offiziell raus...

Die Spatzen pfiffen es bereits vor einigen Wochen von den Dächern, doch erst jetzt ist es „amtlich“: Auch der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) hat sich offiziell zum Rückzug aus dem Dialogprozess entschlossen. In der Begründung des BdP vom gestrigen Tage heißt es, dass der mitinitiierte Dialogprozess nicht mehr als geeignet angesehen werde, die Situation auf der Burg weiter positiv zu beeinflussen. Vielmehr bestehe mittlerweile durch den Dialog der Bünde regelmäßiger Kontakt zu den kritisierten Bünden und ein gemeinsamer öffentlicher Auftritt. Beides sei vom BdP jedoch nicht gewünscht, da es dem Ansehen des BdP schade. In seiner Stellungnahme hebt der BdP auch heraus, dass er den erfolgten Reflexionsprozess der Burg-Gremien ausdrücklich begrüße und den Kriterienkatalog zum Zugang der Bünde auf die Burg Ludwigstein als ein Ergebnis werte, welches sich jetzt behaupten müsse. Der BdP kündigt zudem an, die Entwicklung der Burg Ludwigstein weiterhin durch eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Burg-Gremien kritisch zu begleiten. Entgegen anderslautender Behauptungen war der BdP nicht bereits im vergangenem Sommer aus dem Dialogprozess ausgeschieden. Der Dialog der Bünde hatte auf eine ungewichtete Beteiligung aller auf der Burg engagierten Bünde gesetzt. Dabei war es aus Sicht einiger beteiligter Bünde zu quantitativen und qualitativen Verwerfungen gekommen, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun hatte. Zum einen waren Kleinstbünde genauso mit zwei Vertretern beteiligt, wie Großbünde. Andererseits spielte aber auch die Menge der geleisteten Arbeitsstunden oder die Anzahl der Übernachtungen keine Rolle bei der Zusammensetzung des Dialoges. So ging denn auch das Ergebnis, die Steimker Erklärung, vielen der Beteiligten nicht weit genug. Sie hätten sich eine klarere Positionierung gewünscht, welche die kritisierten Bünde nicht hätten unterzeichnen können, ohne sich zuvor inhaltlich (ideologisch) deutlich mit ihrem bisherigen Kurs zu brechen. Nicht zuletzt führte der gemeinsam mit den kritisierten Bünden geführte Dialog zu dem...

Dialog und Distanzierung gleichzeitig – geht nicht...

Ein Dialog erfordert ein ergebnisoffenes Aufeinander-zugehen. Davon ist auch der Dialog der Bünde (DdB) nicht ausgenommen. Nach zähem Ringen hatte er sich als Arbeitsgrundlage zum weiteren Dialogprozess die Steimker Grundsätze zugrunde gelegt. Wer sie unterzeichnete, war zum weiteren Dialogprozess willkommen. Doch die Grundsätze haben ein Grundproblem – und das benannte einer der Vertreter des BdP auch ganz unverhohlen: Selbst Bünde, die mit dem Text der Grundsätze kein Problem haben, wollen/wollten sie nicht zeichnen, da dies zur Folge hätte, dass sie dann auf einer gemeinsamen Liste mit Bünden auftauchen würden, von denen sie sich eindeutig distanzieren möchten. Der Umgang mit diesem grundsätzlichen Problem (Dialog und Distanzierung gleichzeitig – geht nicht) und der Umstand der sich-selbst-erfüllenden Prophezeihung (in dem Moment, in dem kritistierte Bünde die Steimker Grundsätze unterzeichnen, beweisen die Grundsätze automatisch ihre Untauglichkeit zur Distanzierung) führten zu unterschiedlichen Reaktionsmustern. Der BdP verabschiedete sich konsequenterweise inhaltlich bereits frühzeitig aus dem Dialogprozess [nicht im Sinne eines Ausscheidens, vielmehr durch unmissverständliche Positionierung]. Die CPD erklärte im November, sie stehe zwar hinter dem eigentlichen Inhalt der Grundsätze, aber wolle nicht offiziell zeichnen (vermutlich, um keine unzutreffende inhaltliche Nähe zu bestimmten Bünden herzustellen – Fakt ist:  Sie stehen (noch) auf dem offiziellen Dokument). Und der VCP hat eine holprige Kehrtwende hingelegt: Erst gezeichnet, dann aber doch festgestellt, dass die Steimker Erklärung (und der Kriterienkatalog) nicht geeignet seien, „um ausreichend Distanz zu extremen Bünden aufzuzeigen“. Es ist aber auch sehr schwer, ausreichend Distanz zu zeigen, wenn man sich offiziell mit bestimmten Leuten überhaupt an einen Tisch setzt. Und da ist man direkt wieder am Startpunkt angekommen: Eine gemeinsame Erklärung – geht nicht. Jedenfalls nicht offiziell. Gemeinsam an einem Dialogprozess teilnehmen – geht eigentlich auch nicht (es sei denn, man sieht sich zu einem eleganten Spagat wie die CPD in der Lage)...

Beweggründe weiterhin eher unklar...

Die Gründe, welche den Bundesrat des VCP dazu brachten, überraschend seinen Rückzug aus dem Dialog der Bünde (DdB) zu beschließen und seine Zeichnung der Steimker Grundsätze rückgängig zu machen, sind weiterhin eher unklar, auch nach der Veröffentlichung einer Stellungnahme. Allerdings hat sich inzwischen ein Vertreter des VCP im Dialog der Bünde zu Wort gemeldet und um Klarstellung der Scouting-Berichterstattung gebeten. Sie (Magges und Daniela) hätten keinesfalls „auf eigene Faust“ ein „Dokument mit Tragweite“ (=Steimker Grundsätze) „einfach so mal kurz“ für den VCP unterschrieben. Auch habe der VCP, „besser gesagt die Leitungsebene“, die Zeichnung der Steimker Grundsätze ihrem Verständnis nach nicht „widerrufen“. Vielmehr möchte die Leitungsebene „im Zuge des Ausscheidens des Verbandes aus dem DdB-prozess […] nun auch nicht mehr offiziell unter Veröffentlichungen des DdB erschein[en]“, denn „man hat nach dem Ausscheiden nichts mehr mit diesem Projekt zu tun, eine Nennung ist somit nicht mehr angebracht.“ Das sei ein wesentlicher Unterschied und die falsche Berichterstattung in der Scouting trage zu prägender und ggf. langanhaltender Mythenbildung bei. Nun kann man nach meinem Verständnis durchaus beschließen, aus einem Prozess auszuscheiden und fortan auf künftigen Veröffentlichungen nicht mehr genannt werden wollen. Aber in meinen Augen entspricht das Auslöschen eines Namens, der bereits genannt war, sehr wohl einem Widerruf, denn es verändert die Vergangenheit, nicht nur die Zukunft. Fassen wir also zusammen: Die Vertreter des VCP waren nach ihrer eigenen Aussage offiziell sowohl durch die Bundesleitung, als auch den Bundesrat des VCP ernannt und entsendet. Die Steimker Grundsätze waren der Bundesleitung durch die Vertreter des VCP im DdB unmittelbar zugänglich gemacht worden – und zwar vor der Unterzeichnung. Die Vertreter gehen davon aus, dass die entsprechenden Informationen zeitnah an den Bundesrat weitergeleitet worden sind, also bereits im Sommer 2014.  Es erfolgte keine Reaktion des Bundesrates dergestalt, dass man diese...

VCP widerruft Zeichnung der Steimker Grundsätze und verlässt den Dialog der Bünde...

Wenn längere Zeit nichts wesentliches in der Szene geschieht, hat man fast Sorge um die Spannung in der Berichterstattung. Dem hat der Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) nun aber mit einem Überraschungs-Coup erfolgreich abgeholfen. Wie der Bundesrat des VCP mitteilt, wird die erfolgte Unterzeichnung der Steimker Grundsätze widerrufen und die Teilnahme am Dialogprozess nicht fortführen. Der Bundesrat bildet innerhalb des VCP die Schnittstelle zwischen der Bundesleitung und den Ländern und trägt die Verantwortung für die inhaltliche Ausrichtung des Verbandes.  Ende Januar war er auf Burg Rieneck zusammengekommen und dabei, wie jetzt allgemein bekannt wurde, folgendes beschlossen: „Leider konnten die Personen aus dem VCP, die bis jetzt am „Dialog der Bünde“ teilgenommen haben, nicht am BR teilnehmen und ihre Sicht schildern. Der BR beschloss nach kurzer Diskussion, dass der VCP nicht an einem kommenden Mediationsprozess im Rahmen des „Dialogs der Bünde“ teilnehmen wird. Auch wurden die Bundesvorsitzenden vom BR beauftragt, dafür zu sorgen, dass der VCP als Verband nicht mehr als Unterzeichner der Steimker Grundsätze erscheint.“ Hoppla, was ist denn da passiert? Erinnern wir uns. Nach Vorwürfen hinsichtlich der „Rechtslastigkeit des Publikumsverkehrs“ auf der Jugendburg Ludwigstein waren die Bünde ab dem 03. November 2013 für ein Jahr von dieser ausgeschlossen worden, um die Zwischenzeit effektiv für eine eigene Verständigung darüber zu nutzen, was eigentlich geeignete Maßstäbe sind, um bestimmte Gruppierungen auf der Burg zuzulassen oder eben nicht. Dieser Prozess wurde vom „Dialog der Bünde“ geführt. Zu diesem waren mit jeweils zwei Vertreter aller Bünde und Verbände eingeladen, welche Arbeitsstunden auf Burg Ludwigstein geleistet hatten, eine Raumpatenschaft innehielten oder Mitgliedsbund in der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein sind. Die beiden Plätze wurden über die jeweiligen Bundesführungen vergeben. Da könnte man ja eigentlich annehmen, dass mit diesem Vorgehen sichergestellt sei, dass diese offiziell entsendeten Vertreter dann auch das...

Ludwigstein: Jugendbünde wieder willkommen...

Pressemitteilung der Stiftung Jugendburg Ludwigstein: „Neudefinition der Begegnungsstätte  Jugendbünde ab sofort wieder auf Burg Ludwigstein willkommen „Jetzt kann 2015 mit den 600-Jahr-Feiern unserer Burg kommen!“, freute sich Selmar Sechtling, Betriebsleiter der Burg Ludwigstein, am Samstag nach der Ordentlichen Mitgliederversammlung (OMV) der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein. Ohne Gegenstimmen hatten die Mitglieder zuvor die vom Dialog der Bünde vorgestellten Kriterien zum Zugang der Burg angenommen. Damit besteht nun eine solide Basis für die Zukunft der Burg als jugendbewegtem Begegnungsort. Bündische Gäste sind ab sofort wieder herzlich willkommen. Vor dem Hintergund eines längeren Konfliktes über den Zugang der Bünde zur Burg unterstellte im Oktober vergangenen Jahres ein Internetartikel der Burg, dass dort „rechte Milieubildung“ durch einzelne Jugendbünde stattfinde. Diese Anschuldigungen wurden durch eine Prüfung des hessischen Sozialministeriums schnell entkräftet. Der Schwere der Vorwürfe geschuldet, beschlossen die Burg-Verantwortlichen dennoch, alle jugendbewegten Veranstaltungen auf dem Burgberg für ein Jahr auszusetzen. Diese Zäsur nutzten Burggremien und Jugendbünde, die Vorwürfe aufzuarbeiten und sich eindeutig zu positionieren. Im Rahmen des „Dialogs der Bünde“ entwickelten die Gruppen in Eigenregie klare Regeln für den Zugang und das Miteinander auf der Burg Ludwigstein. Diese beinhalten ein klares Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, den Ausschluss von Extremisten und eine klare Absage an deren Positionen. Weiterhin wurde ein transparenter Umgang mit Kritik untereinander beschlossen. Nach fünf arbeitsintensiven Wochenenden seit Februar 2014 hatten sich die Vertreterinnen und Vertreter der Bünde einstimmig auf die Kriterien zum Zugang auf Burg Ludwigstein geeinigt. „Das Zusammenwirken der Beteiligten im Dialog der Bünde ist in seiner intensiven, hoch transparenten und demokratischen Arbeitsweise in der Geschichte der Deutschen Jugendbewegung modellhaft.“ sagte Matthias Mack aus dem Sprecherkreis des Dialogs. Parallel arbeiteten die ehren- und hauptamtlichen Burgverantwortlichen die Vorwürfe vom Oktober 2013 auf. Mit Hilfe des beratungsNetzwerks hessen setzten sie sich intensiv unter anderem mit dem Thema „Grauzonen...