Christliche Pfadfinder in Gaza

Alljährlich am Sonntag vor Weihnachten besucht der Patriarch Fouad Twal, höchster Vertreter des lateinischen Patriarchats von Jerusalem (einer Teilkirche der römisch-katholischen Kirche) die leidgeprüfteste Gemeinde seiner Diözese, um Hoffnung zu spenden. Gerade mal 2000 Christen gibt es insgesamt in Gaza, sie stehen zwischen allen Fronten und Bombendrohungen und Attacken gegen ihre Gemeinden sind an der Tagesordnung. In diesem Jahr wurde der Patriarch von den Pfadfindern mit Trommelwirbel auf dem Hof der Pfarrei „Heilige Familie“ begrüßt. Ihre Uniform besteht aus schlichten weißen Hemden, denn für mehr reicht das Geld in Gaza nicht. Anders in Bethlehem, wo am 24. Dezember die christlichen Pfadfinder mit bunten Uniformen und unter der Begleitung von Trommeln, Pauken, Dudelsäcken, Pfeifen, Saxophonen und Trompeten durch die Straßen ziehen. „Mehr als 60 Jahre Konflikt ist zu viel, viel zu viel!“, rief Twal den Gläubigen in seiner Predigt zu. „Aber das Kind in der Krippe schenkt Licht, auch wenn alles rundherum dunkel ist.“ Zu den Pfadfindern in Gaza gehört auch die 21-jährige Berlanthy, welche aufgrund fehlender Aufenthaltsgenehmigung sechs Wochen vor den Abschlussprüfungen nicht mehr zu ihrer Universität in Bethlehem zugelassen wurde. Gefesselt und mit verbundenen Augen wurde sie zum Gazastreifen zurücktransportiert. Die Leitung der Universität beschloss deshalb, die katholische Studentin ihr Studium per Telefon und Internet-Konferenzschaltungen abschließen zu lassen – sie bestand mit Auszeichnung. Doch die meisten Christen in Gaza haben nur noch ein Ziel: So schnell wie möglich das Land zu verlassen. Quelle: scouting...