Missbrauch: Verfahren jetzt neu aufgerollt...

Das Verfahren gegen den ehemaligen Ordensführer des Autonomen Wandervogels wurde/wird heute, am 04.11, sowie voraussichtlich am 07.11 und am 21.11 jeweils ab 9 Uhr im Saal 38 des Landgerichts Saarbrücken fortgesetzt. Die Neuverhandlung wurde notwendig, weil der Beschuldigte gegen seine Verurteilung erfolgreich Widerspruch beim Bundesgerichtshof eingelegt hatte. Der BGH stellte fest, dass bei einem Teil der Opfer ihr Alter zum Tatzeitpunkt nicht zweifelsfrei geklärt sei. Im Zweifel für den Angeklagen – diese Taten haben als verjährt zu gelten. Drei neue Termine wurden notwendig, weil die entsprechenden Zeugenaussagen erneut getätigt werden müssen.  Der Kläger, dessen Fall nicht als „verjährt“ eingestuft wurde, hatte zuvor einem außergerichtlichem Vergleich nicht zugestimmt. Man möchte ihm gern anerkennend auf die Schulter klopfen und den Zeugen, die jetzt erneut aussagen müssen, Durchhaltevermögen...

System Balduinstein

Ich brauche keine Zusendungen ohne Absender oder unter Pseudonym in meinem Briefkasten, um mich als erfolgreiche Journalistin zu fühlen. Trotzdem hat es natürlich etwas von einem Krimi an sich, wenn das geschieht. So wie gestern. 22 gedruckte Seiten umfasst die insgesamt solide recherchierte Zusammenfassung unter der oben genannten Überschrift, verfasst von Hendrick Busman aus Kevelaer. Google sagt, der sei 1649 gestorben. Mein journalistischer Instinkt sagt, dass dieser eher modern angehauchte und eher weniger selbst aktiv singende Pfadfinder, der möglicherweise vom Niederrhein stammt und dem Bündischen eher etwas skeptisch gegenübersteht, durchaus noch lebt, aber wohl unter einem anderen Namen. Das, was er (Hendrick) da zusammengestellt hat, schlägt einen weiten Bogen von historischen Personen, dem jugendbewegten Reformpädagogen Gustav Wyneken (wegen sexuellen Missbrauchs von Schülern mit Gefängnisstrafe belegt), Hans Blüher (Wandervogel und „Erfinder“ des „bündischen Eros“ – also der pseudo-verklärten „Liebe“ zwischen Führer und Anvertrautem – heute würde man das Missbrauch von Schutzbefohlenen nennen) und Alfred Schmid (der ebenfalls sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegenüber aufgeschlossen war) über die von ihnen beeinflussten oder gegründeten Gruppen, Verlage und damit verbandelten Personen durch mehrere Jahrzehnte hindurch bis zum heutigen Tage. Der Autor belegt damit aus seiner Sicht „40 Jahre Kontinuität von Liedgesang, Glaubensüberzeugung und pädosexuellem Tatablauf“. So reicht eine  der (zahlreichen) ausgearbeiteten Kontinuitäten von Alfred Schmid über das von ihm gegründete Graue Corps weiter zur grauen jungenschaft, von dort zu heutigen Tätern und/sowie Gründern des freien Bildungswerkes Balduinstein oder auch dem Falado e.V. Die Quellen, auf die sich Hendrick bezieht, sind alle frei zugänglich. Es ist also nichts enthalten, das jemandem, der sich mit der Thematik befassen will, unbekannt wäre oder bliebe. Und an gewissen Punkten geht es mir dann persönlich doch noch etwas zu sehr in den „Kontaktschuldbereich“, wenn beispielsweise ein Übergriff in einer Hütte in Österreich (ohne das...

Distanzierung durch Namensänderung...

Wie die bisherige Christliche Pfadfinderschaft – Balduinsteiner Kreis mitteilte, haben sie auf ihrem Thing Ende September die Umbenennung ihrer Gemeinschaft in „Befreundete Stämme Christlicher Pfadfinder (BSCP)“ beschlossen. Damit wollen sie ein deutliches Zeichen gegen die Missbrauchs-Skandale auf der Burg und im Umfeld des freien Bildungswerkes Balduinstein setzen. In der Verlautbarung von dem Vorsitzenden der BSCP heißt es: „Nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in Verbindung mit dem Namen „Balduinstein“ kam in dem „Christliche Pfadfinderschaft – Balduinsteiner Kreis (CP-BSK)“ sehr schnell die Frage auf, ob man den eigenen Namen ändern solle, um nicht den falschen Verdacht zu befördern, dass der CP-BSK zur Burg Balduinstein gehöre. In dem sich anschließenden Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und den Grundlagen unserer Gemeinschaft war sehr schnell klar, dass die Verbindung zur Burg Balduinstein vor allem durch die Tatsache begründet wurde, dass das erste Führertreffen 1988 auf der Burg Balduinstein stattfand und sich hierauf der Name für unseren Kreis gründete. Außer dass wir uns in 26 Jahren vier Mal auf der Burg trafen, ein Mitglied des BSK dort seinen Zivildienst ableistete und die Burg als historisches Gemäuer einen schönen Rahmen für Treffen bildet, hatten und haben wir keine besondere Bindung zur Burg Balduinstein. Auf dem diesjährigen Thing am 21.09.2014 wurde deshalb beschlossen den Namen „Christliche Pfadfinderschaft – Balduinsteiner Kreis“ abzulegen und sich fortan „Befreundete Stämme Christlicher Pfadfinder (BSCP)“ zu nennen. Wir verurteilen ausdrücklich jede Form von Missbrauch an Menschen, sei sie sexueller, politischer oder sonstiger Natur. Wir wollen dazu beitragen, Missbrauch vorzubeugen, ihn aufzudecken und durch unsere Arbeit in den einzelnen Gruppen eine Kultur des gegenseitigen Achtens zu verwirklichen.“ Quelle: Pfadfinder-Treffpunkt...

Doch kein Pfiff aus dem Knast?

Der vor bereits einem Jahr zu 2 Jahren und 6 Monaten ohne Bewährung wegen Missbrauchs Schutzbefohlener verurteilte Ordensführer aus dem Autonomen Wandervogel hat Widerspruch gegen sein Urteil eingelegt. Nach einem für ihn erfolgreichen Revisionsverfahren am Bundesgerichtshof, der die Verjährung einiger Vorfälle festgestellt hat, muss sein Fall erneut verhandelt werden. Gestern war Prozessauftakt. Die weitere Verhandlung wurde auf den 4. November vertagt, da eines der Opfer in Erwägung zieht, sich mit einer Schmerzensgeldzahlung abfinden zu lassen. Das Gerichtsverfahren vor einem Jahr hatte eine ganze Lawine an Ermittlungsverfahren im personellen Umkreis der Balduinstein losgetreten, die ihrerseis noch nicht abgeschlossen sind. Zeugenaussagen ließen die Burg als Ort eines potentiellen „Pädo-Netzwerkes“ offenbar werden. Spekulativ ist, wie sich die vom BGH festgestellte Verjährung einiger Vorfälle und der eventuelle Rückzug eines der Opfer aus dem Verfahren auf das neue Urteil und das Strafmaß für Markus M. auswirken wird. Wohl eher zu seinen Gunsten. Quelle: BILD...

„Pädo-Netzwerk Balduinstein“: Weiteres Urteil gesprochen...

Am 5. Juni wurde ein weiteres Urteil wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige, die sich zu einem großen Teil auf der Jugendburg Balduinstein ereigneten, gesprochen. Der 54-jährige Angeklagte, bekannt unter dem Fahrtennamen eines ebenfalls einschlägig bekannten römischen Kaisers, war langjähriges und engagiertes Mitglied des Bildungswerkes, dem die Burg gehört und Gründungsmitglied des Autonomen Wandervogels, der sich sehr regelmäßig auf der Burg aufhielt. Er war zunächst wegen 27 Übergriffen, davon 24 Fällen des Kindesmissbrauchs, angeklagt. Da sich aber nicht sicher beweisen ließ, dass das/die Opfer zum Tatzeitpunkt noch unter 13 Jahren alt war, konnte der Tatbestand des Missbrauchs aufgrund Verjährung nicht dingfest gemacht werden. Letztlich wurde er wegen dreier nachgewiesener Übergriffe verurteilt. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Als Bewährungsauflage hat er drei Beratungsgespräche bei der psychiatrischen Ambulanz in Trier wahrzunehmen, um seine weitere Therapiebedürftigkeit abzuklären, zudem zahlt er jeweils eine niedrige vierstellige Summe an Schmerzensgeld an die beiden Opfer. Wieder deuteten die Schilderungen und Aussagen der Beteiligten darauf hin, dass auf der Jugendburg Balduinstein über Jahre hinweg eine Art von pädophilem Netzwerk existiert hatte, in dessen Rahmen die Täter frei agieren konnten und Zugriff auf die Jungen erhielten. Bereits im vergangenen Jahr verurteilt wurde ein 37-jähriger Ordensführer (und ebenfalls Gründungsmitglied) des Autonomen Wandervogels. Dieser wurde wegen sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen zu 2 Jahren und 6 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Die Zeugenaussagen im damaligen Prozess hatten die Ermittlungen gegen weitere Mittäter des Netzwerkes Balduinstein ins Rollen gebracht. Gegen vier weitere Personen, teilweise Wandervögel, teilweise Mitglieder im Bildungswerk Balduinstein, wird derzeit noch ermittelt. Der jetzt Verurteilte war zudem tätig im Filmteam des ursprünglich geplanten Filmes zur heutigen Jugendbewegung „Fürsten in Lumpen und Loden“. Das Projekt wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe unmittelbar abgebrochen. Quelle: Rhein-Zeitung 06.06.2014...