Pfadfinder und Militär – hierzulande undenkbar

Anlässlich der Gedenkfeiern zum Ausbruch des 2. Weltkrieges vor 75 Jahren wurde an vielen Orten in Polen und Deutschland der Opfer gedacht. In Polen nahezu immer dabei waren sowohl Vertreter von Pfadfindern, als auch des Militärs. In Polen gehört es zum Selbstverständnis der Pfadfinder, im Rahmen nationaler Anlässe Präsenz zu zeigen. Ähnlich bekannt ist das Engagement der amerikanischen Boy Scouts, bei Memorial Days  beispielsweise für die nächtliche Beleuchtung durch das Aufstellen unzähliger Kerzen auf den Gräbern gefallener Soldaten die Verantwortung zu übernehmen. So gingen denn dieser Tage unzählige Bilder von Pfadfindern auch durch unsere Zeitungen, oft auch auf den Titelblättern. Sie zeigten beispielsweise den deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck mit seinem polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski bei der Kranzniederlegung am Denkmal für die Verteidiger der Westplatte. Daneben salutieren polnische Marinesoldaten und jeweils ein Vertreter der polnischen Pfadfinder und der Pfadfinderinnen nehmen Haltung an. Ohne Pfadfindergruß, aber die Aussage ist unmissverständlich. Diese Selbstverständlichkeit, für die Nation „Flagge“ zu zeigen, ist den Pfadfindern hierzulande mit dem zweiten Weltkrieg und ihrer Verbotszeit verloren gegangen. Es gibt wohl keinen deutschen Verband oder Bund, der auf die Idee käme, sich – zumal in Kluft oder Tracht – neben einem uniformierten Soldaten ablichten zu lassen. Auch das Selbstbild der deutschen Soldaten leidet ja darunter, von weiten Teilen der Bevölkerung nicht als verdienstvolle Verteidiger ihres Vaterlandes angesehen zu werden, sondern allenfalls als geduldetes Übel, personifiziertes Symbol eines jeden Krieges. Eine Position, zu der die deutschen Pfadfinder im Großen und Ganzen größtmöglichen Abstand wahren.

Bildnachweis: Warszawa Powstaniec, wikipedia
Quelle/Aufhänger: z.B. Der Tagesspiegel 02.09.2014

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