Neuerscheinung: Max Himmelheber – Drei Facetten eines Lebens

Das nun vorliegende Buch von Herausgeber Walter Sauer „Max Himmelheber – Drei Facetten eines Lebens“ schließt eine bislang bestehende Lücke. Obgleich Max Himmelheber (1904-2000) eine der prägenden Gestalten der Jugendbewegung war und zudem durch die Erfindung der Spanplatte auch persönlich ausgesprochen erfolgreich, wurde sein Werk und Wirken bislang nicht entsprechend berücksichtigt. Dabei wird man, wie Walter Sauer in seinem Vorwort treffend vermerkt, selten ein Leben so maßgeblich und durchgängig als „Jugendbewegt geprägt“ bezeichnen können wie das von Max Himmelheber, der sowohl in der jahrzehntelangen aktiven Führung bündischer Jungengruppen wie in der Reflexion pfadfinderischen Wesens und Wirkens unter philosophisch-pädagogischen Aspekten. Trotz seiner außerordentlichen Verdienste sowohl in der Jugend- als auch der Ökobewegung erscheint das Werk Max Himmelhebers wenig präsent. Kam er für die Ökobewegung zu früh und für die Jugendbewegung zu spät? Ereilte ihn hinsichtlich der Erfindung der Spanplatte das gleiche Los wie das anderer Erfinder von Alltagsgegenständen, deren Produkt zwar allgegenwärtig, deren Name jedoch unbekannt ist?

Wie der Buchtitel bereits zeigt, werden hier alle drei Bereiche von Himmelhebers Wirken beleuchtet. Neben einem umfangreichen biographischen Anteil stehen dabei die Texte von Max Himmelheber selbst im Focus. Diese fanden ihre, zumeist gekürzte, Veröffentlichung in bereits längst nicht mehr erhältlichen Zeitschriften der Jugendbewegung und sind hier nun endlich und zum Teil erstmals vollständig (wieder) zugänglich. In den drei Großkapieln zu den Teilbereichen Philosoph – Erfinder – Pfadfinder wurden exemplarisch jene Beiträge ausgewählt, die exemplarisch die Thematik von Leben und Werk Max Himmelhebers spiegeln. Ein vorangestelltes Kapitel widmet sich dem biographischen Hintergrund unter dem Leitgedanken „Drei Facetten eines Lebens“.

Der Herausgeber Walter Sauer (wasa) ist Professor für Erziehungswissenschaft, war Mitbegründer der Evangelischen Jungenschaft Horte, Mitbegründer und Herausgeber der Schriftenreihe Die Graue Edition. Anfang der 1980er Jahre kam er als freier Mitarbeiter in die Redaktion der Scheidewege und ist seit 2000 deren Herausgeber, zugleich Geschäftsführer der Max Himmelheber-Stiftung. Es dürfte keiner kompetenter sein, ein Werk über Max Himmelheber zu verfassen.

Autor: Walter Sauer (Hrsg.)
ISBN 978-3-88778-487-4
376 Seiten
Format: 175 x 247 mm
Sprache: deutsch
Hardcover, 24 Seiten Fotos und Dokumente

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Biographisches zu Max Himmelheber:
Geboren wurde Max Himmelheber am 24. April 1904 in Karlsruhe. Im Alter von zehn Jahren kam er zum Pfadfindercorps Karlsruhe, welches während des ersten Weltkrieges seine Aktivitäten jedoch einstellen musste, da dessen Gruppenführer zum Kriegsdienst eingezogen worden waren. Max Himmelheber fand dann mit vierzehn Jahren Anschluss an eine Gruppe des Wandervogels. Mit 20 Jahren schloss sich Max Himmelheber mit seiner Gruppe an den Bund der Neupfadfinder an, wechselte jedoch wenig später zum Alt-Wandervogel, Deutsche Jungenschaft, welche dann ihrerseits in der Neugründung Bund der Wandervögel und Pfadfinder aufging und zur Deutschen Freischar wurde. Die persönlichen Kontakte zwischen Max Himmelheber und Alfred Schmid, genannt Fred, führten 1930 zur gemeinsamen Gründung des Grauen Corps, welches allerdings das Schicksal fast aller Jugendbünde teilte und von den nationalsozialistischen Machthabern 1933 und 1934 verboten wurde.

Bereits 1932 hatte der Ingenieur Max Himmelheber zusammen mit Fred, der Professor für physikalische Chemie war, das Patent auf Homogenholz, dem Vorläufer der heutigen Spanplatte, eingereicht. Im zweiten Weltkrieg diente Max Himmelheber bei der Luftwaffe als Jagdflieger und wurde 1940 über England abgeschossen und interniert. 1943 gelangte er über einen Gefangenenaustausch über Göteborg zurück nach Deutschland und erhielt die technische Gesamtleitung der „Holig-Homogenholz-Werke“ mit drei Werken. Nach Ende des Krieges gründete Max Himmelheber dann seine eigene Firma, die aufgrund ihrer Patente bis in die 80er Jahre weltweit führend im Bereich Spanplatten tätig war und etwas mehr als 60 Werke weltweit umfasste.

Sobald die Militärregierung es zuließ, gründete er in Baiersbronn eine Jungengruppe und war 1948 Gründungsmitglied des Bundes Deutscher Pfadfinder (BDP) und prägte diesen durch seine Mitarbeit auch auf Bundesebene. Aufgrund von „Querelen“ (eine Rolle dürfte auch die eher bündische Ausrichtung von Max Himmelheber gespielt haben) schied er 1959 aus und beschränkte sich auf seine eigene, ungebundene Baiersbronner Jungengruppe, mit der er, solang es seine Kräfte erlaubten, noch aktiv war.

Mit Beginn der 70er Jahre hatte sich Himmelheber altersbedingt aus seinem Unternehmen zurückgezogen und konnte sich ganz der Philosophie widmen und auch die Zeitschrift Scheidewege ins Leben rufen, welche bis heute fortbesteht. 1987 erhielt Max Himmelheber für sein „jahrzehntelanges vielfältiges Engagement als ökologisch verantwortungsbewusst handelnder Unternehmer und als beispielhafter Mäzen für grundlegende geistige, philosophische und kulturelle Initiativen“ die Theodor-Heuss-Medaille; 1989 anlässlich seines 85. Geburtstages das Bundesverdienstkreuz am Bande. In den letzten Lebensjahren blieb ihm die Pflegebedürftigkeit nicht erspart. Sein Nachlass floss in die Max Himmelheber-Stiftung ein.

 

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