Nachruf auf „Hund“ Wolfgang Lauinger

Bereits in der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember entschlief „Hund“, Wolfgang Lauinger, im Alter von 99 Jahren in Frankfurt. Hund, Jahrgang 1918,  hatte unter den Nationalsozialisten unter schweren Repressalien aufgrund seiner Herkunft (Sohn eines jüdischen Vaters) und seiner homosexuellen Orientierung zu leiden gehabt. Während der Verbotszeit gehörte er zur illegalen Nerother Gruppe der Pacchanten unter Paul Leser sowie zur Swingjugend. Hund war ein Jugendfreund des bekannten Berry, Herbert Westenburger.

Auch nach der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus war für ihn die Verfolgung nicht zu Ende: 1950 wurde er wegen eines vermuteten Verstoßes gegen den § 175 erneut inhaftiert. Hund war Mitbegründer des Freien Bildungswerkes Balduinstein und lebte bis ins Alter von 94 Jahren im Ort Balduinstein selbst. Erst dann siedelte er in ein Pflegeheim in Frankfurt um.

Seit den 1990er Jahren wurde Hund für sein gesellschaftliches Engagement mehrfach geehrt. Der Gemeinderat der Ortsgemeinde Balduinstein ernannte ihn am 13.06.2005 einstimmig zum Ehrenbürger der Ortsgemeinde Balduinstein. „Diese Würdigung ist Ausdruck der Dankbarkeit und Anerkennung, die sich Herr Lauinger durch sein Engagement zur Nutzung des Burgsaales und der Restaurierung der Burg Balduinstein erworben hat.“ Am 28.11.2008 wurde ihm durch Staatssekretär Roger Lewentz das vom Bundespräsidenten verliehene Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

Die Ablehnung eines Entschädigungsantrags für die 1950/51 erlittene Untersuchungshaft kurz vor Lauingers Tod 2017 wurde in Medien und Politik auf nationaler Ebene kritisiert.

Der letzte Wunsch von Hund war es, in Balduinstein beigesetzt zu werden. Auf seinem letzten Weg vom Burgsaal der Ruine Balduinstein zum jüdischen Friedhof im Ortsteil Hausen begleiteten ihn Angehörige und Freunde.  Beigesetzt wurde er unter der großen Eiche auf dem alten Friedhof am Waldrand hoch über der Lahn in einem schlichten Holzsarg. Er wurde nach jüdischem Ritus eingebettet. Rabbiner Andrew Steinmann gedachte des 99-Jährigen, sprach und sang die Totengebete.

Bildnachweis: Lauingers, Wikipedia
Quelle u.a.: Der Tagesspiegel 20.10.2017

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