Gedenktag: Bruder Paul Oden

Heute vor einem Jahr, am 13. Januar 2017, verstarb der Steyler Missionar und Pfadfinder Paul Oden im Alter von 88 Jahren. Für sein Straßenkinderprojekt in Iquique / Chile wurde auch von deutschen Pfadfindergruppen wiederholt gesammelt und gespendet. Paul Oden wurde am 23.07.1928 in Pirmasens als Sohn von Jakob und Henriette Oden geboren. Von Kindesbeinen an war er Pfadfinder und engagierte sich in der kirchlichen Jugendarbeit. Nach der Volksschule begann er eine Bäcker- und Konditorlehre, die er durch Kriegseinwirkungen immer wieder unterbrechen musste. In diese Zeit fiel auch seine Entscheidung, Missionsbruder bei den Steyler Missionaren zu werden.

1946 wurde er Postulant in St. Wendel, legte 1949 die ersten Gelübde ab. 1951 führte ihn die erste Arbeitsbestimmung nach Rom, wo er in der Ordenszentrale der Steyler Missionare wirkte. 1954 trat er seinen Dienst in Chile an. Die ersten Jahre verbrachte er in Santiago am „Licéo Alemân de! Verbo Divino“. Hier begann seine Arbeit mit den Pfadfindern, die sein ganzes Leben mitbestimmen sollte. 1956 band er sich in Santiago de Chile an Gott und die Gemeinschaft der Steyler Missionare durch die Ewigen Gelübde.
1972 wurde er in den Süden Chiles entsandt, 1000 km von Santiago entfernt. Hier startete er mit dem Aufbau der ersten Jugendzentren und – herbergen und zwar in Puerto Varas, Osorno, Fresia und Ensenada. Diese Zentren wurden die Geburtsstätte der heutigen Kinderheime der Steyler Missionare in Chile mit Sitz in Puerto Varas, Valdivia, San Pablo, Buin und Villa Alemana. Ab 1991 leitete Bruder Paul in Valdivia das Programm „Ahora“, auf Deutsch „Jetzt“. Dieses wurde später von einem selbstständigen Verein übernomnen. 1996 führte ihn seine Berufung nach Iquique. Dort begann er mit dem Bischof der Diözese und einigen seiner ersten Pfadfinder von Santiago sowie mit den Mitgliedern des Jugendzentrums von Puerto Varas die Arbeit für die Straßenkinder von Iquique. Bischof Vera schreibt über diese Zeit: „Als er (Paul Oden) vom Süden in den Norden kam, sah er nicht nur eine mächtige, sich modernisierende Stadt, sondern leider auch viele Kinder, die stark litten.“ So gründete er den Verein „Ninos en la Huella“ (Kindern auf der Spur).

In wenigen Jahren baute er eine Organisation und eine Infrastruktur auf, in der Kinder aller Altersstufen aus sozial benachteiligten Familien gefördert und betreut werden: Kindergärten, Tagesstätten, Heime für Jungen und Mädchen, zwei Krabbelstuben und ein Tagesheim fiür Straßenkinder zwischen zwölf und achtzehn Jahren.

2012 wurde Bruder Paul die Ehre zuteil, den Regierungspalast von Santiago de Chile zu besuchen und mit dem chilenischen Staats-oberhaupt und Regierungschef Sebastiân Pipera zusammenzutreffen. „Wir haben uns etwa eine halbe Stunde lang herzlich über alle möglichen Dinge unterhalten. Es war ein sehr liebens-würdiger und herzlicher Empfang.“ Pipera war vor seiner politischen Karriere zehn Jahre lang in einer Pfadfindergruppe von Bruder Paul. Zum Abschluss nahm Sebastian Pipera einen speziellen Rucksack in Empfang, den Bruder Pauls Sozialarbeiter bei ihrer Arbeit mit den Straßenkindern in der Diözese Iquique tragen. Entworfen worden war er von Martin Bendorfer aus Österreich, einem der vielen Missionare auf Zeit, die bei Bruder Paul gewirkt haben.

Schwer erkrankt schrieb Bruder Paul Oden am 13. November einen Abschiedsbrief an all seine Weggefährten. Lange zitiert er darin eine Predigt von Papst Franziskus über Tod und Auferstehung und endet schließlich mit den Worten: „Auch für mich ist Advent. Die Ankunft in meinem Leben ist gekommen. Ich warte darauf, dass Gott ankommt, um mich mitzunehmen.“ Und er äußert auch eine Bitte an all seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter: „Vergesst nicht, bei den Werken des Herrn mitzuhelfen, die er durch mich erschaffen hat.“

Text nach dem Nachruf von Pater Manfred Krause SVD.

Bildnachweis: ‪Bruder Paul Oden (links) und Florian Fütterer von den Baunacher Pfadfindern der EPSG (zweiter von links).