Kurzbericht vom Singewettstreit Sankt Goar 2015

„Die erste Strophe ist nicht genuschelt, sondern schwedisch.“

Oft weiß man nach mehreren Jahren Folgebesuch der gleichen Veranstaltung nicht mehr, was man Neues schreiben könnte. Doch diesmal hab ich unverhofft das umgekehrte Problem: Ich bin voller erwähnenswerter Eindrücke, so dass ich nicht weiß, was ich weglassen soll, um den Rahmen eines Kurzberichtes nicht zu sprengen. So haben wir uns in der Redaktion darauf verständigt, zu diesem Jahr Sankt Goar einen Mehrteiler zu machen. Ein ganz eigenes Highlight setzte der „Pausenfüller“. Der jungen Dame Emily werden wir gern noch ein eigenes Interview gönnen, versprochen.

Hier nun also als Häppchen vor den übrigen Berichten eine ganz grobkörnige Zusammenfassung:
Der Singewettstreit war ausverkauft, die Kirche entsprechend wieder rappelvoll. Der neue Bürgermeister von St. Goar, Horst Vogt, hat von seinem Vorgänger nur gutes über uns gehört und ließ es sich nicht nehmen, Sonntag morgens auf RheMickel RSW 2015infels selbst auch vorbeizuschauen. Statt einer langatmigen Einstimmungs-Rede gab es diesmal von Mickel eine gruppendynamisch-musikalische Einlage (DANKE!!), die mir gut gefallen hat. Leider hab ich das Ergebnis nicht erkannt. War es ein bündischer Schlager oder ein Kirchenlied?

Bis auf eine Gruppe schafften es nach meiner Kenntnis alle von der Vorentscheidung bis auf die Bühne. Besonders mutige Gruppen (oder „Aussetzer“ – wie man es nimmt) waren nicht dabei. Auch schienen besonders viele Jüngere auf der Bühne zu sein. Im Publikum hingegen von Jahr zu Jahr immer mehr DPSG – schön. Witzig dünkt es an, wenn die Jury, bunt zusammengewürfelt aus allen möglich Bünden und mindestens eine davon gewiss nicht gemäß der Heroldsordnung ihres Bundes „ordentlich“ gekleidet, dem Publikum erklärt, dass es natürlich schön ist, wenn die Gruppe auch optisch ein stimmiges Bild hergibt. 🙂

Jetzt zum musikalischen Rundumschlag:image
Oft ist es ja so, dass manche Gruppen es mit der Instrumentierung übertreiben. Da bekommt dann jeder, der nicht bei drei auf dem Baum ist, eine Blockflöte in die Hand gedrückt. Mit Glück. Mit Pech eine Trommel oder Trompete. Das war hier dieses Jahr nicht der Fall – gut, der Cajonspieler kam einmal kurz aus dem Takt, aber nicht dramatisch. Erstaunlich also, dass sehr viele da waren, die ihr Instrument so gut beherrschten, dass ihr Gesang im Vergleich dahinter zurückblieb. Ich finde ja, je kleiner die Gruppe ist, die auf der Bühne steht, desto wichtiger ist es, dass wirklich jede einzelne Stimme zum Tragen kommt. Da hätte ich mir manche Herren weniger brummig und manche Damen weniger kicksig gewünscht.

Inzwischen bekannt sollte eigentlich auch sein, dass mehrseitige Instrumente sich in der Kirche schnell wieder verstimmen und deshalb erst dort gestimmt werden sollten. Die Jury ließ Gnade walten. So hatte ich auch immer gedacht, dass die suboptimalen Geigen (ich hasse Spinne Thekla) der Temperatur und/oder Luftfeuchtigkeit in der Kirche geschuldet seien. Nehme ich alles zurück: Denn der Geigenspieler der „Stadtstreicher“ (BdP, erster Platz bei Singekreise), hat phänomenal gespielt, ich war und bin völlig hin und weg, ich habe noch bei keinem Singewettstreit eine so herausragend gut gespielte Geige gehört.

Bislang stand, was die WEinbacher RSW 2015Geige angeht, die CPS in meiner Gunst oben – sorry, diesmal war das nix und dem dezenten Kopfschütteln nach hat das die Spielerin auch sofort selbst gemerkt.

Die Jury hatte es (wie immer) nicht leicht, aber schon die drei nebeneinander sitzenden Redaktionsmitglieder waren sich völlig uneins, was die Favoriten anging und warfen sich gegenseitig Parteinahme für bestimmte Gruppen, Unmusikalität oder Ärgeres vor. Außer bei den Weinbachern. Da waren wir uns einig. Half aber aber nix. Wie das halt so ist – bei der Zugabe zeigte sich deutlich, dass alle Gewinner ihren ersten Platz redlich verdient hatten.

Bei der Nachfeier schwangen geschätzt 200 Leute die Tanzbeine auf dem Parkplatz und die übrigen brachten den Gewölbekeller in Wallung. Mittendrin ein asiatisch aussehender Zivilist, der mir als „Kim, Tourist aus Korea“ vorgestellt wurde, der zufällig in St. Goar auf die Horden von Pfadfindern gestoßen sei und da er selbst auch Pfadfinder sei, wäre er ihnen einfach nachgegangen. Kim stellte sich mir dann als Chunnan aus Taiwan vor, wohnhaft in Aschaffenburg, aber das tat seinem Urteil über das gemeinsame Schmettern von Liedern keinen Abbruch: „Interessant!“

Da man ja ungern im Netz darüber liest, wie lausig man in den Ohren einer einzelnen, selbst musikalisch eher unbewanderten Redakteurin abgNachfeier RSW 2015eschnitten hat, hier noch die wüste Sammlung meiner Notizen ohne Angabe dazu, zu welcher Gruppe / Person ich sie machte. Da darf sich jeder raussuchen, was er mag. Und wie bereits geschrieben, da waren die Leute um mich rum oft ganz anderer Meinung. Hier also die ultimative Kritik:
Die Lorelei ist 1,73m groß und singt offenbar Bariton.
Aus dem Takt, verhaspelt, gute Stimmen.
Angemessene Liedwahl, zu weng Abstimmung mit Gitarrenspieler.
Nett arrangiert, in hohen Lagen ein wenig dünn, klare Stimmen.
Instrumente und Gesang in Ordnung.
Da fehlt ein Kontrabass.
Unharmonisches Durcheinander.
Taktgerät verläuft sich.
Man hört jede Stimme.
O.K., aber langweilig.
Gitarre lala, Gesang gut, Lied gut, etwas zu schrummig gespielt. Mensch!
Die freuen sich wirklich am Gesang. Schön.
Das kann ich selbst besser.
Schräg-langgezogene Töne, oje.
Rein Instrumental wäre hier wünschenswert.
Unsauberer Abgang.
Mehrstimmig und Geige  naja.
Ich hasse es, wen manche Personen mehrmals auftreten.
Die Geige ist ein Traum.
Die Männer der Gruppe könnten da NOCH MEHR rausholen.

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