Konzertkritik der Heckenkapelle in Bonn

Beim Rheinischen Singewettstreit wurde ich auf die „Heckenkapelle“ aufmerksam gemacht. Es sei eine ganz hervorragende bündische Gesangsgruppe von Frauen aus dem Laninger Wandervogel. Ich solle unbedingt einmal die Gelegenheit nutzen, ein Konzert von ihnen zu besuchen. Nun verhält es sich so: Bei der Scouting tun sich vor allem zwei Redakteure durch Ortstermine hervor. Der eine ist Einstein. Einstein ist ein ausdauernd wohlwollender Mensch mit so großer Freude an der Pfadfinder- und Jugendbewegung, dass über seine Lippen nie ein schlechtes Wort käme. Für schlechte Worte und harsche Kritik ist der andere Redakteur zuständig und das bin ich. Ich trete im allgemeinen aber bei Besprechungen nur auf den Plan, wenn sich zuletzt ein Leser über die zu wohlwollende Kritik beschwert hat. Das ist zumeist Helm.

Sechs Damen und eine Flasche Likör.

Sechs Damen und eine Flasche Likör.

Was nun das Konzert der „Heckenkapelle“ anbelangt, bekam ich nun vor einigen Tagen von Jenna aus dem Laninger Wandervogel eine freundliche E-Mail, ob ich nicht Interesse an einem Besuch ihres Konzertes in Bonn hätte. Von der internen Aufgabenverteilung in der Redaktion (s.o.) konnte sie ja nichts ahnen. Ich hatte aber aufgrund der Vorschusslorbeeren trotzdem Interesse. Nicht zuletzt, weil die musikalische Qualität der meisten heutigen Beiträge auf den Singewettstreiten früher nicht einmal gelangt hätte, um auf die Bühne zu kommen. Um das Desaster zumindest optisch ansprechend zu machen, bekommen alle, die schon einmal von fern ein Instrument gesehen haben, ein solches in die Hand gedrückt. Das Ergebnis ist zumeist ziemlich ernüchternd für die Zuhörer. Und ich neige auch ein wenig zu der These, dass eine Gruppe, die heutzutage ein einziges Lied halbwegs beherrscht, dieses direkt so großartig findet, dass sie glaubt, sofort und ohne weitere Proben auf eine bündische Bühne stürmen zu müssen. Schlimmstenfalls mit Geigen bewaffnet. Und wer zwei Lieder halbwegs beherrscht, nimmt eine CD auf.

Das alles konnte Jenna von der „Heckenkapelle“ ja nicht wissen.

Die Heckenkapelle hat sich vor zwei Jahren aus den Kreisen des Laninger Wandervogels heraus gegründet. Seitdem treffen sie sich zu Proben, was durch die überregionale (fast schon europaweite) Zusammensetzung etwas erschwert ist (der Qualität aber offenbar keinen Riegel vorschiebt). Seit März diesen Jahres touren sie mit ihrem Programm „Tumult und Likör“ zumeist durch die Hallen und Kneipen ihrer Heimatstädte. Es handelt sich um sechs Damen, zwei Gitarren, Bass, Akkordeon und eine Flasche (Eier-) Likör. Letztere wird im Laufe des Abends gemeinsam mit dem Publikum geleert. Gesanglich präsentieren sie eigene Stücke, Nouvelle Chanson und Internationalen Folklorepop. Hierbei legen sie nach meiner Beobachtung vor allem bei dem deutschsprachigen Anteil einen Schwerpunkt auf hintersinnige Texte.

Ich war nun also bei ihrem Konzert in Bonn und um es kurz und knapp zusammenzufassen: es war großartig. Der Saal der Evangelischen Studentengemeinde war mit knapp hundert Personen im Zuschauerbereich voll besetzt. Die Damen auf der Bühne bereiteten einen unterhaltsamen und musikalisch ansprechenden Abend. Die Musikstücke waren vielseitig und die Zwischenmoderation unterhaltend. Das in meinen Augen Wichtigste waren jedoch die schönen, rauchigen, zartschmelzenden, klaren Stimmen mit sicherer Mehrstimmigkeit. Und ich glaube, ich habe mein Herz ausgerechnet an die Sambatrommel verloren; etwas, das ich zuvor nicht für möglich gehalten hätte.

Liebe Frauen der Heckenkapelle, herzlichen Dank für Eure Einladung, das Konzert, die musikalische Bereicherung, die schöne After-Show in der Kneipe nebenan.

Von der Heckenkapelle gibt es keine CD zu kaufen, aber hier gibt es einen kleinen Auschnitt vom Auftritt in Bonn: Heckenkapelle 140613

Meine Frage, wo denn nur all die schönen Stimmen hin sind, die man früher auf Singewettstreiten bewundern konnte, und die musikalischen Talente, die ihre Instrumente beherrschen, ist auch geklärt worden: Sie touren mit der Heckenkapelle durch die Republik.

Heute ist übrigens ihr vorerst letzten Tourdatum: 15. Juni: Köln -> Vorstadtprinzessin, Trimbornstraße 27  (S-Bahn Halte Trimbornstr.) Einlass 19.30, Beginn 20.00 Uhr.

 

 

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