Gefährliche Waldwege im Harz

Für einen Aufreger sorgte ein Bericht in der Ostthüringer Zeitung, in welchem ein Leser sein Erlebnis mit einer Gruppe junger belgischer Pfadfinder schilderte. Diese befanden sich offenbar auf Wanderung im Harz und hatten Schwierigkeiten mit der Verständigung. Die Jungpfadfinder wollten mit ihrer etwa 14jährigen Leiterin zu Fuß von Ilfeld über den Poppenbergturm nach Sophienhof wandern. Dieses Ziel erreichten sie auch offenbar problemlos, wussten dann aber scheinbar nicht weiter. Auch mehrmalige Telefonate mit ihrer Basissation führten offenbar nicht dazu, dass sie effektiv versorgt wurden, wusste der Leser zu berichten. Stattdessen wären sie schließlich kurzerhand von der Hotelbesitzerin selbst untergebracht und versorgt worden.

Unterlegt man die dramatische Schilderung mit eigenem Wissen über das übliche Pfadfinderverhalten, so stellt man fest, dasss die beglischen Pfadfinder es auf ihrem Haik ofensichtlich erfolgreich geschafft haben, kostenlos mit alle Mann in einem Hotel versorgt zu werden. Aber ein unbedarfter Beobachter kann ja nicht wissen, wie gern Pfadfinder sich helfen lassen.

Oft ist es bei belgischen Pfadfindern üblich, dass sie bei Wanderungen von einem Versorgungsauto begleitet werden, welches die benötigte Infrastruktur, also Zelte und Küche als Vorauskommando am Zielort errichtet. Vielleicht fand das Vorauskommando in diesem Fall nicht erfolgreich bzw. rechtzeitig mit der Gruppe zusammen.

Der Verfasser eines Online-Kommentares zum Artikel erregte sich zusätzlich, er sei froh, das das nicht seine Enkel seien, auf den einsamen Waldwegen könnte doch alles Mögliche passieren. Ja, der wilde Harz wird offensichtlich unterschätzt. Die Fähigkeit von Pfadfindern, mit Problemchen entsprechend routiniert umzugehen, aber auch. In Ostthüringen scheint im Sommer ja recht wenig los zu sein, wenn es diese eine Pfadfindergruppe aus Belgien gleich mehrere Tage nacheinander in die Berichterstattung geschafft hat.

Meine eigene Gruppe wurde vor einigen wenigen Jahren in Sachsen bei Starkregen ernsthaft gefragt, ob wir eine Strafmaßnahme oder Bewährungsmaßnahme für auffällige Jugendliche seien. Grund hierfür waren unsere schwarzen Zelte, die ja offensichtlich überhaupt nicht dem üblichen Standard der Unterbringung entsprächen. Auch unser Hinweis, darin könne man Feuer machen, trug eher zur zusätzlichen Irritation bei. Kochen auf offenem Feuer? Hätten wir denn etwa keinen Strom?

Quelle: Ostthüringer Zeitung 29.07.2014

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