Friedenslicht 08

Einige Frühaufsteher nehmen das Licht gleich am Bahnhof entgegen.

Einige Frühaufsteher nehmen das Licht gleich am Bahnhof entgegen.

Die Aktion Friedenslicht ist seit über 15 Jahren eine feste Größe im jährlichen Pfadfinderprogramm. Das in der Geburtsgrotte in Bethlehem entzündete Licht wird seit 1986 auf Initiative des österreichischen Rundfunks ORF verteilt. Seit Anfang der 90er Jahre wird es von Pfadfindern jedes dritte Adventswochenende nach ganz Europa getragen. Die große Aussendungsfeier im Münchner Liebfrauendom fand in diesem Jahr zum zehnten Mal statt.

Dieses Jubiläum bot sich für scouting an, die Friedenslichtankunft und –feier in München diesmal intensiv zu begleiten.Zur frühen Morgenstunde

Am Vortag des dritten Advent findet in Wien immer die zentrale Aussendungsfeier statt, zu der viele Vertreter von Pfadfindern aus anderen Ländern erscheinen um ihre Kerzen an der aus Bethlehem stammenden Flamme zu entzünden. Die deutschen Pfadfinder fahren dann mit dem Nachtzug EN 462 (Budapest/Bukarest-Wien-München) nach München (Ankunft ist 6.15 Uhr) und von dort in sämtliche Ecken der Bundesrepublik um das Licht weiterzugeben. Zu solch früher Stunde an einem Sonntagmorgen ist am großen Hauptbahnhof relativ wenig los. Da fallen Jugendliche mit Laternen und Kerzen in mitten der wenigen Nachtschwärmer gleich auf. Ihnen ist wichtig, das Feuer gleich am Bahnhof entgegenzunehmen. Der Nachtzug ist zu einem Großteil mit Pfadfindern besetzt, von denen viele feuersichere Spezialbehälter tragen, in denen die Flamme transportiert wird. In einem kurzen Abschlusskreis wird gemeinsam ein Lied gesungen, bevor sich die Gruppen wieder recht bald auf den weiteren Weg machen. Schließlich müssen die Anschlusszüge erreicht werden.

Impression der Lichtaussendung.

Impression der Lichtaussendung.

Vorbereitungen

Schon Stunden vor der Aussendungsfeier ist eine kleine Mannschaft damit beschäftigt alles für eine große Feier zu präparieren. Eine Schola probt Lieder, Techniker ziehen Leitungen und überprüfen die Tonqualität. Andere kümmern sich um scheinbar profanere, jedoch nicht unwichtige Details: „Hat jemand noch einen Wimpelspeer, wer begrüßt die Ehrengäste, wer steht am Infostand?“

Große Feier im Liebfrauendom

Randvoll ist der Münchner Dom an diesem Nachmittag. Selbst in den Seitenschiffen ist kein Stehplatz mehr zu finden. Doch die Besetzung ist anders als an normalen Sonntagen. Es sitzen fast ausschließlich Kinder und Jugendliche in den Reihen, teils mit Kluft, zumindest aber mit Halstuch. Die meisten Erwachsenen haben sich für einen Stehplatz entschieden. Mit einem Fahneneinzug der beteiligten Verbände beginnt die ökumenische Feier, zu der hohe Vertreter dreier christlicher Konfessionen erschienen sind.

Die drei Kirchenvertreter im Kreise der Pfadfinder. (v.l.n.r Landesbischof Johannes Friedrich, Erzbischof Reinhard Marx und Apostolos Malamoussis).

Die drei Kirchenvertreter im Kreise der Pfadfinder. (v.l.n.r Landesbischof Johannes Friedrich, Erzbischof Reinhard Marx und Apostolos Malamoussis).

Als Hausherr und Vertreter der katholischen Kirche ist Erzbischof Reinhard Marx gekommen. Landesbischof Johannes Friedrich ist selbst Mitglied im VCP und spricht für die evangelische Kirche. Apostolos Malamoussis übernimmt das Wort für die orthodoxen Christen. Erster feierlicher Höhepunkt ist der Einzug des Friedenslichts in den abgedunkelten Dom. Getragen wird es von Wölflingen und Wichteln der Ringverbände. Die Ansprachen der Kirchenvertreter sowie ausgewählter Pfadfinder befassen sich mit allgemeinen Friedensthemen und stellen auch Bezüge zu aktuellen Schlagzeilen her. Musikalische Untermalung findet sie Feier in zahlreichen bekannten Liedern aus Jugendgottesdiensten und dem pfadfinderischen Liedschatz. Die Verteilung des Lichtes ist von allen Anwesenden sehnsüchtig erwartet worden. Eine ausgewählte Gruppe von Pfadfindern zwängt sich durch die voll besetzten Reihen um dort die mitgebrachten Kerzen und Lampen zu entzünden. Nach und nach wird der Dom von immer mehr Laternen erhellt. Eine feierliche Ruhe herrscht in der riesigen Kirche. Mit Worten aus Baden-Powells Abschiedsbrief, sowie dem von ihm benannten Lied für die Weltpfadfinderbewegung (deutsche Version: Nehmt Abschied Brüder) endet die Feier und die Lichter schwärmen aus um die Nacht zu erhellen und die Friedensidee weiter zu tragen.

Einstein

Quelle: scouting 01-09

Spurbuchverlag - Pfadfinder und Jugendbewegung