An Fred Joseph erinnert nun auch ein Denkmal

Am 21. Januar 1943 wurde der Würzburger Pfadfinderleiter Fred Joseph in Auschwitz ermordet.

Am 21. Januar 1943 wurde der Würzburger Pfadfinderleiter Fred Joseph in Auschwitz ermordet.

Fred Joseph entstammte einer christlich- jüdischen Mischehe. Er besuchte in Würzburg die Volksschule und das Realgymnasium, wo er 1930 das Abitur ablegte und anschließend als Praktikant und Assistent in der Adler-Apotheke von Max Mandelbaum arbeite, woran sich ein Pharmaziestudium an der Universität Würzburg anschloss. Ende 1934 trat er in die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), Bezirk St. Kilian, Würzburg, ein. Schon 1935 wurde er Vorsitzender (Stammesfeldmeister) des Pfadfinderstammes Eiseneck der Dompfarrei, der damals 45-50 Mitglieder zwischen 14 und 18 Jahren zählte. Er führte als Gruppenleiter mit seinen Gruppenkindern Lager, Geländespiele, sportliche Veranstaltungen wie Klettern und Fahrten durch, die ihn nach Finnland und auf Main und Rhein bis Holland führten. Die illegalen Treffen und das verbotene Engagement führten zu mehreren Verhaftungen durch die Gestapo, den Verlust der Anstellung und die Verweigerung der Approbation. Als er 1937 nach Pforzheim zog, gründete er auch dort eine Pfadfindergruppe. Trotz massiven Konflikts mit dem dortigen Pfarrer setzte er die Pfadfinderarbeit fort, veranstaltete Lager und Fahrten und hielt Kontakt zu anderen Pfadfindern. Im Sommer 1940 wurde er bei einer Fahrt in Bayern von der Gendarmerie entdeckt. Den Fahrtteilnehmern konnte jedoch nicht nachgewiesen werden, dass sie als Pfadfinder unterwegs waren. Im Juli 1941 wurde jedoch einer seiner Rundbriefe gefunden und Fred denunziert. Ab Ende Oktober 1941 war er nach Gestapo-Ermittlungen in „Schutz-“ und Untersuchungshaft. Im Januar 1942 wurde er vom Sondergericht Mannheim zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er „einen Zusammenschluss von Jugendlichen mit den Zielen der … DPSG durch Verbreitung von Rundbriefen, Veranstaltung von Zusammenkünften und Ausflügen, Beschaffung von Geräten und mündlicher Beeinflussung der Jugendlichen aufrecht erhalten und gefördert“ habe. Ende Oktober 1942 kam er frei. Er besuchte zwei Wochen darauf Pfadfinderfreunde in Würzburg. Dort wurde er am 13.11.1942 wieder verhaftet und im Dezember 1942 mit einem Sammeltransport deutscher Juden auf Anordnung der Gestapo Karlsruhe nach Auschwitz deportiert.

Aus den Tagebüchern von Fred Joseph:
Ich dachte, alles was aus meinem herzen
ich euch an liebe und an kraft gegeben,
es müsse in euch glühn wie hundert kerzen,
müsse in euch empfangen neues leben.

Ich dachte, alles was ich euch gezeigt
an harter zucht, an opfer und an willen
es würde eines tags von euch erreicht
und würde schöner sich in euch erfüllen

Statt dessen seh ich eine matte schar
die nicht den willen hat um stark zu sein
ich, der ich hundermal ein freund euch war,
– –
wenn ich euch brauche, dann bin ich allein.
1938

An den Apotheker und Pfadfinder Fred Joseph erinnert nun der Künstler Klemens Graffy mit einem von ihm geschaffenen Denkmal in der Herz-Jesu-Kirche in Pforzheim. Mit dem steinernen Sockel des Denkmals will der 58-jährige Künstler an das Glaubensfundament des Christen erinnern, das Holz stehe für die Aktivität des ausgebildeten Apothekers in der Pfadfinderschaft. Aus dem hölzernen Kreuz entstehe laut Graffy die Rose, die auf Auferstehung und Wachstum verweise und aus der Rose erwachse eine Lilie, die wieder auf die Pfadfinder verweise.

Quelle: scouting 03-2010

Spurbuchverlag - Pfadfinder und Jugendbewegung