„Es hat keinen Zweck, auf Experten zu warten“

Dritter Teil des Interviews mit Yanni, Yann-Aretin Eggert, Mitglied des Brigantine Falado von Rhodos e.V. und Mitinitiator der jetzt laufenden Crowdfunding-Kampagne für den Erwerb des Segelschoners “Whydah”. Den ersten Teil des Interviews findet ihr hier.

Scouting: Wie seid ihr auf startnext gekommen?

Yanni: Diese Plattform war uns und unserem Zielpublikum bereits durch das Meissnerlager und den Scoutingtrain bekannt. Es hat etwas Zeit benötigt, bis wir ein schlagkräftiges Team für die Umsetzung der Kampagne beisammen hatten. Letztlich benötigte es die Erkenntnis, dass diejenigen, welche die Zeit haben, sich dahinter zu hängen, genau die richtigen sind und es keinen Zweck hat, auf Experten oder Leute mit mehr Erfahrung zu warten. Es zeigten sich dann ganz unverhoffte Talente, zum Beispiel bei der Videoproduktion. Der Comicfilm war der erste, den diejenige erstellt hat. Das merkt man ihm aber nicht an.

Scouting: Wieviel Zeit hat die Vorbereitung für die notwendigen Präsentationen in Anspruch genommen?

Yanni: Da haben wir mit drei Leuten im Kernteam plus diverser Zulieferer insgesamt sechs Wochen dran gesessen. Allein für die Kurzfilme sind sicherlich gut 100 Stunden investiert worden.

Scouting: Wie ist die Resonanz?

Yanni: In einer Woche sind schon 7.000€ zusammen gekommen, das ist toll! Bei Startnext ist vorgesehen, dass die Spender ein Dankeschön erhalten. Besonders stark nachgefragt sind die Postkarten-Abos. Da erhält man dann von den Gruppen, die auf der Whydah unterwegs sein werden, Dankeschön-Postkarten, gebastelt aus alten Seekarten und aus den Häfen in denen gerade geankert wird. Entweder eine einzelne oder, je nach Spendenhöhe, eine Segelsaison lang. Für Fans der Falado gibt es aber auch alte Originalteile wie Schäkel, Plankenstücke oder eben auch Getränke, welche zuvor eine Fahrt über den Atlantik an Bord der Whydah mitgemacht haben.

Bei startnext geht es aber nicht nur darum, selber einen hohen Betrag zu spenden. Eigentlich geht es bei Crowdfunding darum, ein bis zwei Euro zu geben und die Sache weiterzuerzählen, über Social Media weiter zu verbreiten und möglichst vielen anderen auch die Möglichkeit zu eröffnen, zu unterstützen. Für die älteren Angehörigen von Jugendlichen und Kindern, die ja selbst oft noch nicht über Finanzmittel verfügen, haben wir jetzt auch Postkarten (klimaneutral auf Umweltpapier) drucken lassen, wo die Informationen zu „Offline-Überweisungen“, die ja auch möglich sind, aufgedruckt wurden. Da können dann auch Oma und Opa, die vielleicht nicht so Internet-affin sind, für ihre Enkel einen Beitrag leisten.

Ich finde es auch super, welche Ideen umgesetzt werden, um in der Gruppe gemeinsam oder selbst Spenden zusammen zu bekommen. Da hat ein Junge Äpfel gesammelt, die zu Apfelsaft verarbeiten werden zu Gunsten der Whydah verkauft, nächste Woche zieht eine Gruppe als Straßenmusikanten los.

Scouting: Welche Aktivitäten laufen sonst noch?

Yanni: Derzeit werden Firmen mit Bitte um Spenden angeschrieben, die Mitgliedern von uns persönlich bekannt sind oder mit denen wir schon früher über die Falado in Kontakt waren. Hier liegt bereits eine Zusage für eine Sachspende über Pyrotechnik vor (lacht), auch Werkzeug und Elektronik wurden uns zu Einkaufspreisen zugesagt.

Scouting: Pyrotechnik??

Yanni: Das ist natürlich nicht die korrekte Bezeichnung. Damit meine ich Pyrotechnische Seenotsignalmittel wie Handfackeln, Rauchtöpfe und Leuchtkugeln. Sind auch nicht gerade günstig, sollten aber vorhanden sein, falls alle andere Technik versagt.

Scouting: Und sonst?

Yanni: Sobald die Finanzierung des Schiffes steht und der Kaufvertrag unterschrieben ist, können dann auch noch weitere Institutionen, wie Stiftungen und Lotterien, angefragt werden.

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Teil Vier (der letzte Teil) des Interviews wird veröffentlicht am 09.11.2014 (kommenden Sonntag).

Das Spendenbarometer stand heute, am 02.11.2014 um 08:38 Uhr, bei 16.573 €.
Das Interview wurde am 16.10.2014 geführt.

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