Elf Jahre ohne Wasser und Strom gehen in die Verlängerung

Eine Nachricht des Fördervereines der Bonner Pfadfinderinnen und Pfadfinder des DPB:
Er hätte ein schönes Geschenk sein können: Vor über zehn Jahren erhielt der Förderverein der Bonner Pfadfinderinnen und Pfadfinder den denkmalgeschützten Sockel der alten Mühle in Auerberg geschenkt. Auch wenn die damalige Oberbürgermeisterin beim Anblick des Gemäuers sagte, da stecke wohl noch viel Arbeit drin, hatte sie wohl kaum elf Jahre ohne Wasser und Strom gemeint – und zudem mit feuchten Wänden. Regelmäßige Gruppenstunden der Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind im Mühlenstumpf bis heute nicht möglich. Das liegt aber weder an den Pfadfindern, noch an ihrem Förderverein.

Geld wäre ausreichend da

Durch das fleißige Eintreiben von Fördergeldern ist der Förderverein finanziell gut aufgestellt. Er könnte sich die Trockenlegung des alten, bis zur Hälfte im Erdreich vergrabenen Gebäudes finanziell aus Eigenmitteln leisten. Für einen gemeinnützigen Verein keine Selbstverständlichkeit. Stattdessen jedoch schimmeln gerade eingebaute Fensterrahmen in Blitzgeschwindigkeit, läuft Feuchtigkeit die Wände runter und versuchsweise abgelegte Zeltplanen haben innerhalb von drei Tagen Stockflecken. Und warum wird nicht trockengelegt? Weil die „historische Ablesbarkeit“ des Gemäuers von außen auch unterhalb der Erde (!) erhalten bleiben soll – so jedenfalls fordert dies die städtische Denkmalbehörde. Mit denen ist nun ein Ortstermin vereinbart.

Mit Wasser und Strom wird es auch nichts

Und dann wäre da noch das Problem mit Abwasser, Trinkwasser und Strom. Es liegen keine nutzbaren Leitungen unmittelbar vor dem Gebäude. Die bestehenden Anschlussmöglichkeiten befinden sich erst in erheblicher Entfernung und bedürfen zudem einer Straßenquerung. Grob 200 Meter wären beispielsweise für den Abwasserkanal zu überwinden. Die weite Strecke schlägt sich in den Kosten nieder: über 100.000 € wären allein für den Kanalanschluss zu berappen. Das sprengt dann doch die  finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Bezahlbare Alternative wäre, den Anschluss statt über öffentlichen Grund über das Nachbargrundstück zu führen. Doch die direkten Nachbarn, eine Erbengemeinschaft, möchten dem Förderverein den Anschluss über ihr Grundstück nicht ermöglichen. Schon seit zehn Jahren nicht.

Pfadfinder lassen sich nicht mürbe machen

Nein, wenn sie auf Wanderung im Wald unterwegs sind, brauchen Pfadfinder keinen Strom und auch kein fließend Wasser. Für ihre wöchentlichen Gruppenstunden mit Kindern ab sieben Jahren sieht das aber anders aus. Eigentlich hofft man ja immer noch auf die Einsicht der benachbarten Erbengemeinschaft. Doch bei der aktuellen Mitgliederversammlung wurde auch die Umsetzung von Insellösungen besprochen. Mit Humustrockenabort, Wasserkanistern und batteriebetriebenen Lampen. Hauptsache, es geht überhaupt vorwärts. Hinsichtlich der Humustoilette hat das Bauordnungsamt der Stadt Bonn aber direkt abgewinkt: Es besteht ein Anschlusszwang an den öffentlichen Kanal. Nur für die Dauer der Baumaßnahmen kann sie als Übergangslösung dienen.

Pfadfinderaktivitäten sind unbeeinträchtigt.

Da die Pfadfinderinnen und Pfadfinder des Deutschen Pfadfinderbundes in Bonn glücklicherweise auf andere Räume für ihre wöchentlichen Gruppenstunden zurückgreifen können, sind ihre Aktivitäten unbeeinträchtigt. Für sie klingt ein erfolgreiches Jahr mit erfreulichem Mitgliederzuwachs mit der Nikolausfahrt nach Kyll in der Eifel und der traditionellen Heiligmorgenwanderung aus.

Mehr zum Förderverein www.mühlenstumpf.de
Mehr zu den Pfadfinderinnen www.bonner-pfadfinder.de
Mehr zu den Pfadfindern: www.volundr.de

Foto: Die Aufnahme zeigt den Mühlenstumpf vor Beginn der Renovierungen in 2005. Inzwischen hat er ein richtiges Eingangstor und ein richtiges Dach sowie Fenster.

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