Bericht von der Ausstellung 70 Jahre Wato, die Pfadfinderkünstlerin

„Gäste sind gerne willkommen!“ schrieb Carola Gassen als stellvertretende Vorsitzende des Pfadfinder-Hilfsfond. Gerne willkommen zur Eröffnung einer Ausstellung zu Ehren von Ortrud Krüger-Stohlmann, bei den Pfadfindern als Wato bekannt. Mit Wato hatten ich für die Burg Karlsruhe (BdP) in Vorbereitung deren 100-jährigen Jubiläums im Jahr 2013 schriftlichen Kontakt. Die Möglichkeit, auf Burg Ludwigstein mehr über diese Mitbegründerin der interkonfessionellen Pfadfinderinnenarbeit nach dem zweiten Weltkrieg zu erfahren, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Wird Wato persönlich anwesend sein? Sie war es, gemeinsam mit einem ihrer beiden Söhne und einer Enkelin.

Hansdieter Wittke – in dessen Sammlung sich zahlreiche Exponate und Unterlagen zu Watos Pfadfinderinnenarbeit befinden – eröffnete die Veranstaltung. Er kennt Wato schon seit etwa 45 Jahren, als er noch Landesmarkführer im Bund Deutscher Pfadfinder war. 45 Jahre freundschaftliche Verbundenheit.
Jörg Krautmacher verlieh als Vorsitzender anschliessend Wato die Ehrenmitgliedschaft des Pfadfinder-Hilfsfonds. Wato war sichtlich berührt, obwohl sie schon zahlreiche Auszeichnungen in ihrem Leben erhalten hat. Dieses war bestimmt von ihren „Herzensthemen“ Familie, Kunst und Pfadfinder, wie es eine Zeitung zu ihrem 90. Geburtstag geschrieben hat. Ihr Sohn Asko präsentierte dieses vielfältige Wirken seiner Mutter auf beeindruckend einfühlsame Art und Weise. Das war keine Lobhudelei, das war eine spannende Beschreibung eines Menschen, durchaus auch mit kritischen Zwischentönen, wie es der Sohn einer Mutter mit einem so breiten Interessensspektrum halt erleben kann.
Zuvor gab es einen schönen Film über die Wichtelgruppe „Wiesenvolk“ der Bad Homburger Pfadfinderinnen. Mit diesem Film konnte Wato anlässlich ihres Besuches einer Tagung (Convention) amerikanischer Pfadfinderinnenführerinnen bereits im Jahr 1951 die deutsche Pfadfinderinnenarbeit vorstellen. Wato ist übrigens laut Carola Gassen die Abkürzung eines indianischen Namens. Dieser Indianer aus dem Gebiet aus dem heutigen Kanada war eigentlich französischen Blutes und machte die Erfahrung, dass es sinnvoll ist, auch seinen Feinden – also aus Sicht der Indianer den weissen Eindringlingen – erst einmal vorurteilsfrei gegenüberzutreten.
Wato selbst hielt mit fester und klarer Stimme einen Vortrag über das Modellieren. Hierbei geht es um die Herstellung von Büsten oder Reliefs, also von Köpfen aus Ton oder Bronze. „Das Antlitz fasziniert sie“, so zu ihrem 90. Geburtstag im Jahr 2015 in einem Zeitungsbeitrag zu lesen. Das war hier deutlich zu spüren. Etliche ihrer Werke prägen das Stadtbild von Bad Homburg.
Zum Ende der Veranstaltung führte Frauke Schneemann vom Archiv der Deutschen Jugendbewegung in die kleine Ausstellung ein. In der Ausstellung konnten wir viele Exponate wiederfinden, die Asko in seinem Vortrag angesprochen und erläutert hat. Dabei auch das Tagebuch der bereits erwähnten Gruppe „Wiesenvolk“, begonnen im August 1947 oder ein Relief von Olave Lady Baden-Powell, als Ehefrau von BP eine Mitbegründerin der Pfadfinderinnenbewegung.

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